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Syrische Flüchtlingsfamilie lebt neben Pfarrer

Flüchtlingsfamilie lebt neben Pfarrer
Dem syrischen Bürgerkrieg wollte die Familie Badini-Fares entkommen und machte sich auf den Weg nach Europa. Foto: Mohammed Badra/epa/dpa

Ein neues Zuhause hat die syrische Flüchtlingsfamilie Badini-Fares an der Schlieperstraße in Nordhorn gefunden. Dort wohnt sie seit Mitte Februar „Wand an Wand“ mit dem katholischen Pfarrer Clemens Loth.

Nordhorn. Neue Gesichter leben seit Sonnabend, 13. Februar, an der Schlieperstraße. Die syrische Flüchtlingsfamilie Badini-Fares ist in die leer stehende, ehemalige Pastorenwohnung der Kirchengemeinde St. Marien gezogen. Dort wohnt die vierköpfige Familie in direkter Nachbarschaft mit Pfarrer Clemens Loth.

Zuvor war die Familie in einem Übergangswohnheim an der Essener Straße untergebracht. Nachdem sie als asylberechtigt anerkannt wurde, wollte die Stadtverwaltung ihr helfen, in eine eigene Wohnung zu ziehen. Die Stadt ließ der Familie dazu Zeitungsannoncen zukommen – bei der Wohnungssuche hatte sie aber nur wenig Erfolg.

Hilfe kam von Reinhold Kalischewski. Er wohnte zusammen mit seiner Frau in unmittelbarer Nachbarschaft. Kalischewski engagiert sich im Nordhorner Verein „VfL Weiße Elf“ und ermutigte die beiden Söhne Abdullah und Suwar, in den Fußballmannschaften mitzuspielen. Von Abdullah wusste Kalischewski: Die syrische Familie sucht nach einer neuen Bleibe. Als Mitglied im Kirchenvorstand der St. Marien-Gemeinde wusste Kalischewski zudem, dass die Pastorenwohnung an der Schlieperstraße seit November 2015 leer stand. „Die Stelle von Pastor Johannes Drees wurde nicht nachbesetzt. Wir wussten noch nicht, was wir mit der Wohnung machen sollten“, erklärt Pfarrer Loth.

Flüchtlingsfamilie lebt neben Pfarrer
Vor ihrer neuen Haustüre an der Schlieperstraße in Nordhorn steht die syrische Familie Badini-Fares (von links): Tochter Bayan, Mutter Mezgin sowie die Söhne Abdullah und Suwar. Sie wohnen dort seit Mitte Februar. Foto: Mummert

Zur Debatte stand eine Erweiterung der Kindertagesstätte St. Marien oder der Versuch, auf dem freien Markt einen Nachmieter zu finden. Kalischewski schlug stattdessen vor, eine Flüchtlingsfamilie in der 100 Quadratmeter großen Wohnung unterzubringen. Kirchenvorstand, Stadt und Bistum stimmten der Idee zu.

Allerdings konnte die syrische Familie nicht ohne Weiteres einziehen. Denn: Die Wohnung stand sprichwörtlich leer. Mitglieder aus Kirchengemeinde und Sportverein packten mit an. In zwei Wochen wurde die Pastorenwohnung tapeziert, renoviert und möbliert. „Die Familie hat das null Cent gekostet“, sagt Kirchenvorstand Ferdinand Santel. Betten, Matratzen, Geschirr, selbst eine Einbauküche wurde den Badini-Fares gespendet. „Wir sind dankbar, dass es mit der neuen Wohnung geklappt hat“, sagt Tochter Bayan.

In Syrien lebte die Familie in einem 315 Quadratmeter großen, zweistöckigen Haus in der Stadt Al Hasakah nahe der türkischen Grenze. Der Vater war Lohnunternehmer, der älteste Sohn machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, Bayan und Abdullah drückten die Schulbank. „Wir hatten ein gutes Leben“, sagt Bayan. Sie hatte angefangen, Gitarrenunterricht zu nehmen. Zwei Monate später brach der Bürgerkrieg aus. Mutter Mezgin und ihre drei Kinder flüchteten in die Türkei. Der Vater blieb zurück. „Unser Vater hatte Probleme am Knie und konnte sich nicht schnell bewegen“, erklärt der 17-jährige Abdullah. Deshalb ist er nicht mit der Familie geflohen. Das sei mittlerweile drei Jahre her. Seitdem habe die Familie keinen Kontakt mehr zum Vater. „Wir wissen nicht, ob er noch lebt“, sagt Tochter Bayan – und ihre Stimme zittert dabei leicht. Das ungewisse Schicksal des Vaters belastet die Familie sehr, sagt sie: „Wir sprechen jeden Tag darüber.“

„Uns war wichtig, einer Flüchtlingsfamilie zu helfen.“

Kontakte zu Freunden in Syrien hat die Familie nicht mehr. Einzig die Großmutter, die in einem Dorf, 30 Kilometer außerhalb von Al Hasakah lebt, meldet sich bei der Familie – sofern sie eine Internetverbindung hat. Über den Verbleib des Vaters wisse auch sie nichts.

In Nordhorn baut sich die Familie unterdessen ein neues Leben auf: Abdullah und Bayan gehen am Evangelischen Gymnasium zur Schule. Der Bruder kickt im Fußballverein „VfL Weiße Elf“, die Schwester lernt an der Musikschule Nordhorn weiter Gitarrespielen und Singen.

Bruder Suwar beginnt am 21. März ein Praktikum als Installateur und Mutter Mezgin geht regelmäßig zum Deutschkursus, ansonsten ist sie für ihre Kinder da.

Und die schmieden bereits Pläne für die Zukunft: Während Abdullah Profifußballer werden will, hofft Suwar auf einen Ausbildungsplatz nach dem Praktikum. Bayans Wunsch ist da etwas bescheidener: „Ich will vor allem hier in Deutschland bleiben.“

Pfarrer Loth zeigt sich von seinen neuen Nachbarn angetan: „Es macht sich jeden Tag positiv bemerkbar.“ Er werde oft von der Familie zum Essen oder zum Kaffee eingeladen. „Ich kann das alles gar nicht annehmen“, sagt der Pfarrer. Dass es sich bei der Familie um Muslime handelt, hat den Kirchenvorstand nicht gestört. „Die Konfession war uns egal“, sagt Loth. „Uns war wichtig, einer Flüchtlingsfamilie zu helfen.“

Und Reinhold Kalischewski ergänzt: „Wir wollen, dass sich die Familie wohlfühlt – ganz ohne Missionierungsgedanken.“

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Die Meinung unserer Leser

10 Leserkommentare

1. | Reinhold Volken | Mittwoch, 02.03.2016 | 14:47 Uhr

Ein herzliches Dankeschön an die in dem Bericht Genannten und an die vielen ungenannten Mitbürger für diese bewiesene Hilfsbereitschaft, die Nachahmer finden sollte für weitere Hilfsaktionen ähnlicher Art. In unserer Region wird immer wieder wahre Nächstenliebe praktiziert, die nicht genug gewürdigt werden sollte. Großartig!

2. | Grundschüler ! | Donnerstag, 03.03.2016 | 22:45 Uhr

Reinhold Volken Großartig der nicht genug gewürdigt werden sollte !!!!!!! Gewürdigt würde wenn R.V ;. Frau Mezgin zum Deutschkurs begleiten würde !!!

3. | Observator | Freitag, 04.03.2016 | 07:46 Uhr

Was will uns der Grundschüler mit seinem Kommentar sagen? Habe es nicht ganz verstanden.

4. | Sam Kalumat | Freitag, 04.03.2016 | 08:30 Uhr

@Observator. .........nicht genug gewürdigt werden kann!

5. | Observator | Freitag, 04.03.2016 | 08:55 Uhr

Klare Aussagen sehen anders aus!


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