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Schüler erleben spannende Lehrstunde in Geschichte

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Nur noch aus Geschichtsbüchern erfahren die Jugendlichen heutzutage von der Deutschen Wiedervereinigung. Beim Neujahrsempfang im Lise-Meitner-Gymnasium gab es Informationen von einem Zeitzeugen. Das Bild zeigt (von links) Pastor Hans-Jürgen Sievers aus Leipzig, den Vorsitzenden des Fördervereins, Albert Weersmann, und die Schülerin Leonie Straten.

Der friedliche Verlauf der Demonstrationen in der DDR, die 1989 zum Fall der Mauer führten, ist für Pastor Hans-Jürgen Sievers ein Wunder. Aus eigenem Erleben schilderte er in Neuenhaus die Ereignisse in Leipzig.

Neuenhaus. Ende Oktober des Jahres 1989 sind die Demonstrationen in Leipzig schon zu einer Art Volksfest geworden. Dass noch ganz kurz davor viel Mut, viele Ängste, so manches Glück und auch Zittern um die Zukunft gestanden haben, davon kann Pastor Hans-Jürgen Sievers spannend und aus eigenem Erleben erzählen. Und er tut dies beim Neujahrsempfang des Lise-Meitner-Gymnasiums in Neuenhaus, zu dem der Förderverein der Schule eingeladen hatte. Sievers ist dieser Einladung nach eigenem Bekunden gern gefolgt; zumal sein Sohn Ulf seit vielen Jahren Pastor der reformierten Gemeinde in Emlichheim ist.

Die Entwicklung des Jahres 1989 in der früheren DDR, die in den Fall der Mauer mündete, tritt oft hinter den Ereignissen in den Hintergrund, die vordergründig von der Weltöffentlichkeit wahrgenommen werden. Die Kommunalwahlen im Mai, bei denen viele Basisgruppen die Auszählungen beobachtet und auf die Zahlenfälschungen hingewiesen haben, die Reisewelle nach Ungarn, von wo aus viele DDR-Bürger nicht wieder zurückgekehrt sind und die dortige Grenzöffnung sowie die Tatenlosigkeit, mit der die DDR-Regierung auf diese Geschehnisse reagierte: Pastor Sievers nimmt die vielen Interessierten im Foyer des Gymnasiums mit auf eine Zeitreise in die jüngere Geschichte Deutschlands.

Der Gast aus Leipzig hat den Vertrauensvorteil des Zeitzeugen, der seine Erlebnisse schildert und nicht Bücherwissen referiert. So berichtet er auch von der Wut der DDR-Bürger auf die Äußerung von Erich Honecker, dass man den über Ungarn ausgereisten Republikflüchtlingen keine Tränen nachweine. Es waren schließlich Kinder und Freunde der Bürger, die diesen Schritt nicht gemacht haben.

Anschauliche Schilderung

Die Friedensgebete in der Nikolaikirche und später auch in den anderen Kirchen, die ersten Schritte auf die Straßen, das alles waren keine Selbstverständlichkeiten in einem Staat, der seine Bürger bevormundete und bewachte. Da gab es auch Besorgnis und Ängste. Pastor Sievers schildert anschaulich, wie er am 9. Oktober 1989 Siegbert Schefke und Aram Radomski erlaubt, auf den Kirchturm der reformierten Kirche zu steigen und die abendliche Demonstration zu filmen. Die Aufnahmen gelangen schließlich durch westliche Journalisten in die Bundesrepublik und sorgen dafür, dass die Proteste von der DDR-Staatsmacht nicht totgeschwiegen werden können. In den Folgetagen wagen sich viele Menschen in den größeren Städten der früheren DDR auf die Straße, um zu demonstrieren. Die Welle wird immer größer und es bleibt friedlich. Das ist es, was Pastor Sievers heute noch als Wunder empfindet.

Und schließlich kommt auch der Zeitpunkt, wo es keine Angst mehr gibt. Sievers erinnert an Bundespräsident Joachim Gauck, der 25 Jahre nach den Ereignissen zum Verhältnis von DDR-Staatsmacht und seinen Bürgern formuliert: „Am 9. Oktober 1989 wechselte die Angst die Seiten.“

Am Ende seiner Schilderungen vor einem aufmerksam zuhörenden Publikum mahnt Pastor Hans-Jürgen Sievers: „Die Deutsche Einheit und die friedliche Revolution sollten uns nicht selbstverständlich sein.“ Auch wenn er es als Wunder empfinde, sei es von den Menschen „auf der Straße erlaufen.“

In der Diskussion mit Jugendlichen und Erwachsenen betont Sievers, dass er keinen Hass gegen das frühere DDR-Regime empfindet. „Mein Hauptgefühl ist Dankbarkeit gegenüber der Entwicklung“, sagt der Gast aus Leipzig.

Hans-Jürgen Sievers ist nicht der einzige Zeitzeuge der Ereignisse des Wendejahres 1989 in der früheren DDR, der in die Grafschaft kommt. Im Juni ist mit Siegbert Schefke einer der beiden Männer, die am 9. Oktober heimlich vom Turm der reformierten Kirche in Leipzig die Demonstration gefilmt haben, zu Gast in Schulen.

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