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„Schnelles Internet bald für alle“

Nordhorner IT-Anbieter will ländliche Räume versorgen

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Startsignal zum Aufbau des „WiBack“-Netzes im Grafschafter Technologiezentrum: Unternehmer Fritz Schöbel (rechts) drückt gemeinsam mit (von links) Landrat Friedrich Kethorn, Projektleiter Eric Schütz vom Fraunhofer-Institut und Bürgermeister Thomas Berling den Start-Buzzer.

Mit neuer Funktechnik will ein Nordhorner IT-Anbieter schnelle Internetanschlüsse bis in entlegenste Gebiete möglich machen. Die „Servario GmbH“ vermarktet eine Entwicklung des Fraunhofer Instituts für offene Kommunikationssysteme.

Nordhorn. Schnelle und leistungsfähige Internetverbindungen werden immer mehr zu einem entscheidenden Standortfaktor für die Wirtschaft. Wo Anschlüsse an die „Datenautobahn“ fehlen oder zu langsam sind, haben Unternehmen echte Wettbewerbsnachteile. Deshalb wird auf Landes- und Bundesebene intensiv darüber diskutiert, wie auch in ländlichen Räumen Zugänge zu schnellen Breitband-Datennetzen realisiert werden können.

„Sie erleben heute die Geburtsstunde eines neuen Zeitalters für die Errichtung eines schnellen, leistungsfähigen und kostengünstigen Internets, besonders für ländliche Regionen“, verspricht der Nordhorner Unternehmer Fritz Schöbel, Gesellschafter der bundesweit agierenden KMS-Unternehmensgruppe. Bei einer Feierstunde im Grafschafter Technologiezentrum GTZ sprach Schöbel gestern selbstbewusst von einem „historischen Moment“, als er gemeinsam mit Landrat Friedrich Kethorn und Bürgermeister Thomas Berling das Startsignal für den Aufbau des „WiBack“-Netzes gab.

„WiBack“ („Wireless Backhaul“) ergänzt das Breitbanddatennetz durch ein intelligentes Netzwerk von Richtfunkverbindungen. Dieses drahtlose Funknetz kann schnell und günstig Breitband-Zugänge selbst in entlegenen und dünn besiedelten Regionen bieten, wo ein konventioneller Leitungsbau unwirtschaftlich wäre. Das „WiBack“-Richtfunknetz unterscheidet sich von anderen Funklösungen durch seine Fähigkeit, sich selbst zu konfigurieren und zu verwalten. Es ist damit leistungsfähig und wartungsarm und kann sehr kostengünstig Orte über Distanzen von über 100 Kilometern verbinden.

Entwickelt hat diese Technik das renommierte Berliner Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS. Den Anstoß dazu hatte seinerzeit ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika gegeben. Inzwischen hat „WiBack“ seine Leistungsfähigkeit in Versuchsnetzen in Deutschland und Afrika sowie einer ersten kommerziellen Anwendung in Italien unter Beweis gestellt. Die Nordhorner KMS-Unternehmensgruppe, Betreiberin von großen Autohöfen in ganz Deutschland, stieß auf das System, als sie ihre Standorte mit der Nordhorner Firmenzentrale vernetzen wollte. Mit der Berliner Forschungseinrichtung entwickelte sich schnell eine intensive Partnerschaft.

Jetzt will die Tochtergesellschaft der KMS-Gruppe für IT-Technik, die „Servario GmbH“ die „WiBack“-Technik deutschlandweit vermarkten. Erste Funkmasten in der Grafschaft wurden bereits aufgestellt, weitere sollen in den nächsten Tagen folgen. Innerhalb von nur acht Wochen, so hieß es gestern bei der Systemvorstellung, sei damit ein Gebiet von 450 Quadratkilometern für schnelles Internet erschlossen worden.

„Die Firma Servario wird nicht nur als erstes IT-Unternehmen in Deutschland diese neue Technologie einsetzen, sondern sie wird auch in Zukunft die Hardwarekomponenten in Nordhorn produzieren“, kündigte Fritz Schöbel an. Seine Servario GmbH will die so genannten „Nodes“, kleine Sende-, Empfangs- und Steueranlagen, zunächst selbst bauen. Die Fertigung erster Kleinserien werde „in wenigen Tagen“ anlaufen. Beim Aufbau des Netzes mit Sendemasten und Stationen arbeitet das Unternehmen mit örtlichen Firmen zusammen.

Projektleiter Eric Schütz vom Fraunhofer-Institut FOKUS sprach von einer „Qualitätstechnologie“, die nachhaltig und kostengünstig sei. Sie könne überall zum Einsatz kommen, wo leitungsgebundene Netze zu teuer sind. Auch in Deutschland gebe es dafür „genügend weiße Flecken“ auf der Internet-Landkarte.

Zu viele „weiße Flecken“ gibt es nach Ansicht von Landrat Friedrich Kethorn und Bürgermeister Thomas Berling auch noch in der Grafschaft. Beide wiesen darauf hin, wie wichtig auch für die hiesige Wirtschaft inzwischen schnelle Hochleistungs-Datenverbindungen sind. Im Landkreis ist daher eine sogenannte Breitband-Strukturplanung angelaufen. Auch im Nordhorner Stadtrat ist die Breitbandversorgung heute Thema.

Das Land Niedersachsen geht davon aus, dass eine heute erforderliche Netzleistung von 30 Megabits pro Sekunde derzeit allenfalls 30 Prozent der Bevölkerung zur Verfügung steht. Die Landesregierung rechnet damit, dass es eine Milliarde Euro kosten wird, diese Netzleistung bis zum Jahr 2020 flächendeckend bereitzustellen. Wie dieser Ausbau finanziert werden soll, ist unklar.

Video

Neue Breitbandversorgung in der Grafschaft
19.06.2014, Grafschaft Bentheim: Mit einer neuen, so genannten WiBack-Technologie, soll die Breitbandversorgung flächendeckend verbessert werden.Bericht: Moritz Münchow und Angelina Biche

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