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Rückkehr der Wölfe: Experten warnen vor Panikmache

der Wölfe: Experten warnen vor Panikmache
Der Wolf ist zurück. Die streng geschützten Tiere – hier im Wolfcenter Dörverden – wecken bei manchen Menschen Ängste. In der Grafschaft wurde zuletzt im Frühsommer 2015 ein einzelnes Tier gesichtet. Archivfoto: Konjer

Der Wolf ist zurück. Auch in der Grafschaft. Der Mensch müsse sich auf den Wolf einstellen, forderten Wolfsberater Reinhold Gosejacob und Kreisveterinär Dr. Hermann Kramer in einer Vortragsveranstaltung der CDU.

gn Nordhorn. „Der Wolf soll geschützt, aber nicht zu romantisieren werden“, fordert Kreisveterinär Dr. Hermann Kramer. Die CDU-Ortsverbände Nordhorn-Mitte-Ost und Nordhorn-Nord hatten zu einer Informationsveranstaltung unter dem Stichwort „Wölfe in Nordhorn?“, eingeladen. Ortsvorsitzende Ingrid Thole konnte rund 60 interessierte Bürger begrüßen, darunter viele Landwirte, Hobbytierzüchter und Jäger. Als Referenten standen „Wolfsberater“ Reinhold Gosejacob und der Leiter des Veterinäramtes des Landkreises Grafschaft Bentheim, Dr. Hermann Kramer, zur Verfügung.

Der vom niedersächsischen Umweltministerium auf Vorschlag der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) ernannte Wolfsberater Reinhold Gosejacob stellte seine Aufgaben vor. Als Wolfsberter ist er erster Ansprechpartner für die Bürger, informiert und kommt ins Spiel, wenn ein Wolf oder seine Spuren gesichtet wurden. Im Falle eines Wolfsangriffes auf Nutz- oder Haustiere ist es seine Aufgabe, die notwendigen Schritte zu veranlassen, um festzustellen, dass es sich bei dem „Täter“ tatsächlich um einen Wolf handelt. Gosejacob verwies darauf, dass die letzte offizielle Wolfsmeldung aus der Grafschaft aus dem zweiten Quartal 2015 stamme. Bei dem Wolf habe es sich um ein Einzeltier gehandelt.

Tötung ist strafbar

Gosejacob und Kramer betonten, dass der Wolf (Canis lupus) nach der derzeitigen Rechtslage eine nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Art ist. Auch nach europäischem Recht, der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ist der Wolf geschützt. Eine Bejagung oder Bestandsreduzierung sei daher ohne Änderung des europäischen Rechtes nicht möglich, eine Tötung sogar strafbar. Lediglich die Entnahme von Einzeltieren, sei in Ausnahmesituationen zulässig.

Dr. Hermann Kramer erläuterte in seinem Vortrag viele Hintergründe zur Biologie und zum Verhalten des Wolfes. Es sei nicht auszuschließen, dass sich mittelfristig ein Wolfsrudel in der Grafschaft oder dem Emsland ansiedelt, darauf hätten Behörden und Bürger vor Ort keinen Einfluss. Kramer wies darauf hin, dass ein Nebeneinander von Mensch und Wolf in vielen europäischen Ländern gelinge.

Wolfsrisse von Nutz- und Haustieren seien aber nicht gänzlich zu verhindern. Dagegen hätten Nutztierhalter Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Das Land Niedersachsen gewährt zumindest landwirtschaftlichen und gewerblichen Tierhaltern Fördergelder für Schutzzäune und Entschädigungsgelder für gerissene Tiere. Für den Mensch sieht Kramer keine große Gefahr. Er rät dazu, bei einem ungewollten Kontakt mit einem Wolf nicht in Panik zu verfallen, sondern sich groß zu machen, wenn nötig laute Geräusche zu machen und sich langsam zu entfernen.

Der Kreisveterinär wies darauf hin, dass Wölfe sehr lernfähige Tiere sind. Daher gelte es in keinem Fall Wölfe zu füttern. Dies könne dazu führen, dass der Wolf seine natürliche Scheu vor dem Menschen verliere. Entsprechendes Verhalten wird bei einzelnen Wölfen in Deutschland vermutet und ist vor allem aus Naturparks in Amerika bekannt. Hält sich ein Wolf in der Region auf, dürfe man kein potenzielles Futter für den Wolf wie beispielsweise Essensreste draußen liegen lassen.

Umgang mit Problemwölfen

Dr. Kramer plädierte für einen sachgerechten Umgang mit einem sogenannten Problemwolf. Das sind Wölfe, die keine Scheu vor Menschen zeigen oder sich auf landwirtschaftliche Nutztiere als Beute spezialisiert haben. Kramer warb dafür, rechtliche Möglichkeiten zu schaffen, um solche „Problemwölfe“ mit Gummigeschossen zu „vergrämen“ oder im Extremfall auch zu töten. Dies dürfe ausdrücklich nur für „Problemwölfe“ gelten, sei aber auch für die Akzeptanz des Wolfes an sich in der Gesellschaft sinnvoll.

Für viele auf den ersten Blick unverständlich warb Dr. Kramer dafür, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Er stellte klar, dass eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht nicht gleich zu setzen sei mit der Bejagung des Wolfes. Diese sei derzeit rechtlich gar nicht zulässig. Allerdings würde der Wolf dann der jagdrechtlichen Hegepflicht obliegen. Die Jäger wären dann in der Pflicht, die Entwicklungen des Wolfes zu beobachten und stünden als Ansprechpartner bei Unfällen und für Vergrämungsmaßnahmen zur Verfügung.

Dr. Kramer machte deutlich, dass es zu seiner Forderung innerhalb der deutschen Jägerschaft ganz unterschiedliche Meinungen gebe. Fest stehe, dass sich die Deutschen an die Anwesenheit des Wolfes wieder gewöhnen und dementsprechend auch ihr Verhalten ändern müssten. Allerdings sollte man den Wolf nicht romantisieren, er sei nun Mal ein Raubtier, daher müsse man auch bereit sein, im Einzelfall die erforderlichen Maßnahmen zu treffen.

Im Rahmen der Diskussion wurde von einzelnen Teilnehmern scharf kritisiert, dass die derzeitige Abwicklung der Erstattungen im Schadensfall viel zu lange dauere und die Fördergelder für Schutzmaßnahmen bei weitem nicht ausreichten. Die Teilnehmer sahen die niedersächsische Landesregierung in der Pflicht, zu handeln.

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Die Meinung unserer Leser

29 Leserkommentare

1. | EinLandwirt | Dienstag, 26.01.2016 | 21:36 Uhr

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ein Wolf in der Grafschaf, zum Problemwolf wird. Solange das "Opfer" ein Nutztier ist, mag es noch ruhig um ihn bleiben. Was ist aber, wenn der Wolf eines Tages einen Kindergarten aufsucht oder über einen Schulhof spaziert? Wahrscheinlich findet er noch ein Pausenbrot im Mülleimer. Da er ja laut GN Bericht sehr lernfähig ist, wird er vielleicht gefallen an diesen Futterplatz finden. Die Schüler werden bestimmt nicht Kreischen, wenn eines ihrer Mitschüler vom Wolf "Bearbeitet" wird. Die Pädagogen werden ihre Schützlinge sicher auf den Tag X vorbereitet haben. Da wir unser Verhalten gegenüber den Wolf eh ändern müssen, kann jeder mit der neuen Situation bestens umgehen. Etwas Ironisch habe ich meinen Text verfasst. Aber das Geschrei wird groß sein, wenn meine Befürchtung zur Realität werden sollten, was ich natürlich nicht Hoffe! Und wenn doch? Wer übernimmt die Verantwortung? Ich vermute mal keiner. Schließlich ist der Wolf ein geschütztes Raubtier

2. | Bernd W. | Mittwoch, 27.01.2016 | 09:09 Uhr

Manchmal muss man sich wirklich Gedanken machen wer auf solche Ideen mit der Einbürgerung der Wölfe kommt. Haben diese Leute Langweile? Wir sind hauptsächlich eine Industrienation und haben Jahrzehnte gebraucht um den Wolf vor Ort auszurotten. Aber dann kommt die fixe Idee wir brauchen Wölfe. Als nächstes kommt bestimmt jemand der sagt:" Früher hatten wir auch Bären, wir brauchen wieder Bären".

3. | Projekt Gold | Mittwoch, 27.01.2016 | 09:20 Uhr

@Ein Landwirt: Was Sie gerade betreiben ist Panikmache! Seit 1951 sind in Europa (ohne Rußland) 8 Menschen durch Wölfe zu Tode gekommen. Viele der Wölfe dürften dabei Tollwut gehabt haben. Als Landwirt sollten Sie wissen, das jedes Jahr mehrere Menschen durch Kühe sterben; verlangen Sie deshalb die Tötung aller Kühe? Und wie viele Menschen sterben jährlich durch Hunde? Die Gefahr, von einem Wolf angefallen zu werden, ist in Deutschland sicherlich geringer, als einen Sechser mit Superzahl im Lotto zu haben.

4. | Jim-Bob | Mittwoch, 27.01.2016 | 09:59 Uhr

Sehr richtig, Projekt Gold. Ein Landwirt mit derartigen Naturkenntnissen sollte seinen Beruf schnellstens an den Nagel hängen.

5. | MJDB | Mittwoch, 27.01.2016 | 11:41 Uhr

@Projekt Gold: genau richtig. Volle Zustimmung!


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