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Nordhorner baut „kleines Paradies für Vögel“

r baut „kleines Paradies für Vögel“
Den Vögeln geht es in der Natur-Voliere sichtlich gut. Andreas Wilbrand hält 60 Prachtfinken und 20 kleine Papageien. Foto: privat

Andreas Wilbrand aus Nordhorn hat in seinem Garten im Stadtteil Deegfeld ein besonderes Vogelhaus gebaut. Seine Voliere sorgt in Fachkreisen für Aufsehen. Seine Erfahrungen gibt der Vogelfreund in einem Buch weiter.

Nordhorn. Im Garten von Andreas Wilbrand zwitschert es. 60 Prachtfinken und 20 kleine Papageien haben dort eine Heimat gefunden – in einer großen Natur-Voliere, ausgestattet mit Sandsteinwand, Bepflanzungen und sogar einem Wasserfall. Seinen Tieren soll es gut gehen, befindet der Nordhorner, und gleichzeitig soll eine gute Aussicht auf das bunte Federvieh möglich sein. Diese Motivation trieb den Tüftler an, als er vor vier Jahren auf eigene Faust mit dem Bau begann.

Fachliteratur, Anleitungen? Fehlanzeige! Frei nach dem Motto „trial and error“ ging der heute 54-Jährige vor, experimentierte sich immer weiter voran und konnte nach sechsmonatiger Bauzeit das fertige Werk bewundern. Jeden seiner Schritte und Versuche dokumentierte Andreas Wilbrand dabei ganz genau. Nun ist aus all den Fotografien und Beschreibungen ein Buch entstanden, das unter dem Titel „Natur-Volieren im Selbstbau – Artgerechte Vogelhaltung für Sittiche und Prachtfinken“ im „Oertel+Spörer“-Verlag erschienen ist.

Seine Vorliebe für Vögel hegt Wilbrand, der hauptberuflich Kabel und Hifi-Zubehör vertreibt, schon lange. Er erinnert sich daran, wie er bereits zu Jugendzeiten die Freiflugvolieren im Tierpark und im Vogelpark Walsrode bewunderte, die begehbar waren und einen Blick auf die Tiere erlaubten, ohne dass Gitter die Sicht versperrten. „Wenn man solche Traumvolieren sieht, wird der Wunsch größer, so etwas auch im Garten zu haben“, meint er. Und so reifte die Idee, „ein kleines Paradies für Vögel zu schaffen“, bis es für ihn nur noch eine Möglichkeit gab: entweder so oder gar nicht.

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In Handarbeit hat Andreas Wilbrand die weitläufige Anlage aufgebaut. Die Planungen dazu begannen vor vier Jahren. Foto: privat

Einen Ort für das geplante Objekt hatte Wilbrand rasch gefunden. Hinter seinem Haus in Nordhorn-Deegfeld gab es einen treppenartigen Steingarten mit sechs Tonnen Sandstein, in dem aber „mehr Unkraut als sonstiges“ wucherte. Dahinter verborgen liegt ein 90-Tonnen-Kiesfilter, durch den das Wohnhaus – 1999 in Holz-Lehm-Bauweise errichtet und mit dem Umweltpreis ausgezeichnet – mit Frischluft versorgt wird. Das Vorhaben: Der alte Steingarten sollte verschwinden, um Platz für die Voliere zu schaffen. 350 Schubkarren Sanderde transportierte Wilbrand zusammen mit seinem Sohn und einigen Schulfreunden ab, um schließlich aus den übriggebliebenen Sandsteinen die Rückwand der Voliere – wiederum vor dem Kiesfilter – zu schaffen.

Seine Suche nach Literatur verlief, wie eingangs bereits erwähnt, dürftig. So stieß er lediglich auf ein Buch aus DDR-Zeiten, in dem noch die Verwendung von Asbest-Platten empfohlen wurde. „Das konnte kein Maßstab sein“, erinnert sich Andreas Wilbrand. Einige Wochen lang hat er geplant, dann begannen die Experimente mit den Materialien. Er ging dabei Fragen nach, wie etwa „Wie verhält sich Gasbeton mit Zement?“ oder „Wie vermauert man die Sandsteine?“ Immer weiter tastete er sich vor, bis schließlich die acht Meter breite, vier bis fünf Meter tiefe und gut zwei Meter hohe Anlage fertiggestellt wurde. Darin findet sich ein Trockenbereich mit Sandboden, ein Teil mit Bepflanzungen sowie ein Wasserfall, der über die Regenwasseranlage gespeist wird und idyllisch über die Sandsteinwand in ein Badebecken für die Vögel plätschert.

An die Voliere schließt sich ein Häuschen an, das über einen Vorraum mit Waschbecken, Arbeitsplatte und Stauraum für verschiedene Utensilien sowie einen Vogelraum mit Schlafabteilen und Seilen auf Kopfhöhe verfügt. Insgesamt 2000 Euro hat Andreas Wilbrand für das benötigte Material ausgegeben.

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In Eigenregie hat der Tüftler die acht Meter breite, zwei Meter hohe und bis zu fünf Meter tiefe Voliere in seinem Garten in Nordhorn-Deegfeld gebaut. Für das Material hat er etwa 2000 Euro ausgegeben. Foto: privat

Die Arbeit war allerdings noch nicht getan: Nun machte er sich daran, die große Masse an Fotos und Beschreibungen in Buchform zu packen. „Ein Buch, wie ich es gern gehabt und gebraucht hätte“, schreibt er in seinem Vorwort. 13 Verlagen stellte er sein Werk vor, und einige zeigten großes Interesse. Mit „Oertel+Spörer“ kam er schließlich überein, und nach ein paar Überarbeitungen und dem Zufügen eines vogelkundlichen Teils gab die Lektorin schließlich ihr Einverständnis. Laut Wilbrand wird das Buch inzwischen sogar nach Skandinavien und Japan exportiert. „Es läuft besser, als der Verlag erhofft hatte“, freut sich der frischgebackene Autor. Auch Fachzeitschriften sind voll des Lobes: „Das Buch ist so gut geschrieben, dass jeder Handwerker schon mit den Hufen scharrt, um endlich beginnen zu können“, schreibt etwa die „Papageienzeit“, und das „WP-Magazin“ würdigt es als „wahren Quell an genialen Tricks und Ideen“.

Die Fertigstellung seines Buchs löste bei Andreas Wilbrand allerdings nicht nur Freude aus. „Ich war traurig: Zwei Jahre lang hatte ich jeden Abend geschrieben. Und plötzlich war das Hobby weg“, beschreibt er die Zeit danach. Mittlerweile war er nämlich auf den Geschmack gekommen. Daher fasste er den Plan, fortan jährlich ein Buch zu veröffentlichen und begann mit der Recherchen nach Lücken es auf dem Markt. Sein aktuelles Werk trägt den Arbeitstitel „Futterpflanzen für die Vogel- und Kleintierfütterung“ und will darüber aufklären, welche Pflanzen aus Küche, Garten und Natur für welche Tiere geeignet sind.

Den Vögeln in seiner Voliere scheint es jedenfalls gut zu gehen: Es wird fleißig gebrütet. Andreas Wilbrand ist daher auch bereit, Tiere zu verschenken – sofern diese an ihrem neuen Ort ein ähnliches Habitat erwartet. „Die Vögel sollen nicht in einem kleinen Käfig landen“, sagt er.

Probleme mit den Nachbarn wegen des Vogelgesangs hat der Volierenbauer übrigens nicht – obschon sein Grundstück mitten in einer Wohnsiedlung liegt. „Es gibt Papageien, für die man einen Waffenschein braucht“, sagt er augenzwinkernd mit Blick auf deren Lautstärke, aber solche Vögel besitze er nicht. Seine Tiere seien „alle leiser als ein Schwarm Spatzen“. Manche würden sogar auf einer solch hohen Frequenz singen, dass es für das menschliche Ohr nicht hörbar sei. Und so kann sich der Tierfreund völlig sorgenfrei am Anblick der Vögel und ihrer schmucken Unterkunft erfreuen und sagt überzeugt: „Ich könnte stundenlang auf der Terrasse sitzen.“

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Im Volierenflugraum mit vielen Pflanzen und einem kleinen Wasserfall haben die Vögel ausreichend Platz. Foto: privat

Das Buch „Natur-Volieren im Selbstbau – Artgerechte Vogelhaltung für Sittiche und Prachtfinken“ von Andreas Wilbrand umfasst auf knapp 200 Seiten eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung, um nach eigenen Wünschen eine Voliere im Garten zu errichten und zu gestalten. Zudem werden zahlreiche für die Voliere geeignete Vogelarten präsentiert und Tipps zur Haltung gegeben – auch unter dem Gesichtspunkt, welche Arten gut miteinander auskommen. Das Buch ist im Velag „Oertel+Spörer“ erschienen, hat die ISBN-Nummer 978-3-88627-568-7 und ist für 19,95 Euro im Handel erhältlich.

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Die Meinung unserer Leser

7 Leserkommentare

1. | GN Leser | Sonntag, 14.02.2016 | 09:26 Uhr

Hab gestern schon Buch bestellt und bin auf gespannt.

2. | squeakysheep | Sonntag, 14.02.2016 | 11:01 Uhr

Braucht man da vom Amtsschimmel eine Baugenehmigung?

3. | Eins A | Sonntag, 14.02.2016 | 12:06 Uhr

@ 2: Ich befürchte schon. Wenn schon für einen Stapel Holz (für die umweltfreundliche und CO2-neutrale Heizung) sowas gefordert wird... Wahrscheinlich ist demnächst auch noch der Sandkasten für die Kids eine bauliche Anlage!

4. | Der Enkel | Sonntag, 14.02.2016 | 13:58 Uhr

Krass !!!! Find ich Hammer cool !!!

5. | Vogelfrei | Sonntag, 14.02.2016 | 14:20 Uhr

So viel ich weiß, ist eine Voliere baurechtlich ein Gebäude, zu deren Errichtung man grundsätzlich zunächst einmal eine Baugenehmigung benötigt, ausser, es ist ein "Kleintierstall" in einer Größe von bis zu 5m³ Rauminhalt. So etwas kann man ohne Baugenehmigung bauen. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.


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