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Nordhorn ringt für Asylbewerber um jede Wohnung

ringt für Asylbewerber um jede Wohnung
Auf keinen Fall will Nordhorn solche Massenunterkünfte wie dieses Notlager an der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg. Die Grafschafter Kreisstadt will an ihrem Konzept der dezentralen Unterbringung in Mietwohnungen festhalten, so lange es eben geht.

Bewährt hat sich in Nordhorn das Konzept der dezentralen Unterbringung von Zuwanderern im Stadtgebiet. Angesichts weiterer Zuweisungen wächst die Sorge, das Konzept nicht durchhalten zu können. Es fehlen Mietwohnungen.

Nordhorn. Wie alle kreisangehörigen Kommunen muss auch Nordhorn in diesem Jahr deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als in den Vorjahren. Sozialdezernentin Marlies Schomaker geht davon aus, dass sich bis Jahresende etwa 250 Zuwanderer in der Kreisstadt aufhalten, die Anspruch auf Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz haben.

Sogenannte Kontingentflüchtlinge aus Syrien spielen in Nordhorn übrigens keine Rolle. Sie kommen auf völlig anderer Rechtsgrundlage nach Deutschland, erhalten Sozialleistungen direkt vom Jobcenter des Landkreises und dürfen sich (im Gegensatz zu Asylbewerbern) in ganz Deutschland frei bewegen. In Nordhorn leben derzeit nur etwa 20 syrische Staatsbürger, etwa die Hälfte von ihnen kam als Kontingentflüchtling.

Bei den nach Nordhorn zugewiesenen Ausländern handelt es sich um klassische Asylbewerber. Die Mehrzahl von ihnen stammt aus Serbien und dem Kosovo, aus Russland und dem Irak. Zurzeit leben in Nordhorn etwa anspruchsberechtigte 190 Asylbewerber und geduldete Zuwanderer.

Damit ist die aktuelle Zuweisungsquote für die Kreisstadt noch nicht ausgeschöpft. Sie verpflichtet Nordhorn zur Aufnahme von 156 Personen. In den wenigen Wochen bis Jahresende rechnen die Behörden daher noch mit etwa 55 Neuankömmlingen. Zum Vergleich: 2013 wohnten in Nordhorn 116 leistungsberechtigte Zuwanderer, die Zuweisungsquote lag bei 117 Personen, 2012 lebten hier 107 Zuwanderer, die Zuweisungsquote lag bei 90 Personen.

„Die Zahlen sagen wenig aus, denn sie ändern sich ständig“, weiß Sozialdezernentin Schomakers. Klar ist, dass die steigenden Zuweisungen für die Verwaltung erheblichen Aufwand bedeuten. Von einem Problem mögen Bürgermeister Thomas Berling und Sozialdezernentin Marlies Schomakers aber nicht sprechen: „Wir haben kein Problem mit diesen Menschen, sondern stehen vor der Herausforderung, sie angemessen unterzubringen.“ Dafür haben die Behörden wenig Zeit, denn sie erfahren zumeist erst drei Tage vorher, dass die Aufnahmelager des Landes Flüchtlinge nach Nordhorn zuweisen, welche Nationalität sie haben und ob es Familien oder Einzelpersonen sind.

Bei der Unterbringung verfolgt die Kreisstadt ihre ganz eigene Strategie. Sie will ohne Sammelunterkünfte auskommen: „Wir fahren sehr gut mit unserer Linie, die zugewiesenen Flüchtlinge nicht alle zusammen irgendwo weit weg am Stadtrand unterzubringen, sondern sozusagen geräuschlos über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen“, sagt Schomakers.

„Flüchtlingsghettos“ verhindern

Die ankommenden Zuwanderer werden in stadteigene Gebäude, aber auch in Mietwohnungen der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Gewo einquartiert. Als Übergangslösung wurden auch schon mal städtische Obdachlosenquartiere genutzt. Und es gibt ein vom Deutschen Roten Kreuz betriebenes Aufnahmezentrum mit immerhin 40 Plätzen. Das Ziel ist aber, die Flüchtlinge so schnell wie möglich in angemietete Wohnungen vom freien Wohnungsmarkt zu vermitteln. So soll das Entstehen von sozialen Brennpunkten oder gar „Flüchtlingsghettos“ verhindert und die Integration der Zuwanderer erleichtert werden.

Bisher, so die Sozialdezernentin, habe man diese Linie trotz mancher Schwierigkeiten durchhalten können. Wie lange das noch gelinge, sei unklar. Denn es werde immer schwerer, geeignete Wohnungen zu bekommen. „Wir ringen um jede Mietwohnung“, sagt Schomakers. Die verfügbaren seien entweder viel zu teuer oder unzumutbar, vor allem aber wollten Wohnungsbesitzer oft nicht an Flüchtlinge vermieten. „Wir sind auf die Bereitschaft der Bevölkerung angewiesen und sind dankbar für jeden, der eine Wohnung an Flüchtlinge vermieten will.“ Wer eine Mietwohnung anbieten will, kann sich bei der Stadtverwaltung melden.

Angesichts der Wohnungsknappheit denkt die Stadt zudem über einen „Plan B“ nach. Sie will Immobilien für die Unterbringung weiterer Flüchtlinge ankaufen. Berling: „Entweder ein größeres Gebäude oder mehrere über das Stadtgebiet verteilte kleinere.“ Also doch Sammelunterkünfte? „Wir wollen unsere Strategie weiterführen“, sagt Berling, „aber wir müssen uns auch auf andere Erstaufnahmeformen vorbereiten, weil wir damit rechnen müssen, nicht mehr jedem Ankommenden sofort eine Wohnung anbieten können.“

Ausbauen will die Kreisstadt auch die Betreuung der Ankömmlinge. Die haben als Asylbewerber rein rechtlich keinerlei Anspruch auf Integrationsleistungen wie Sprachunterricht oder gar Arbeitsgelegenheiten. Die Stadt Nordhorn will aber „niederschwellige Angebote fürs praktische Leben“ schaffen: Infopakete in verschiedenen Sprachen, auch Hilfen für Analphabeten, einfache Sprachkurse und ähnliches.´

Das Thema steigende Flüchtlingszahlen werde keine vorübergehende Erscheinung bleiben, sind sich Berling und Schomakers einig. „Das wird uns die nächsten drei bis fünf Jahre sicher beschäftigen.“ Gefragt seien daher tragbare Strategien – und die in Nordhorn seit Jahrzehnten bewährte Nachbarschaftshilfe.

„Gerade Nordhorn hat als ehemalige Textilstadt große Erfahrungen und Erfolge mit der Integration auswärtiger Bevölkerungsgruppen“, sagt der Bürgermeister und erinnert an die Flüchtlinge der Nachkriegszeit und die Gastarbeiter der Textilära. Langfristig seien auch die jetzt ankommenden ein Gewinn für die Stadt, sie müssten aber integriert und nicht ausgegrenzt werden.

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21 Leserkommentare

1. | Ein Wietmarscher | Freitag, 05.12.2014 | 09:19 Uhr

Knappheit von Mietwohnungen bedeutet ein Anstieg der Mietpreise insbesondere bei Neuvermietungen. Für Wohnungssuchende nicht gerade erfreulich. ------ Klassische Asylbewerber kommen lt. o. Artikel insbesondere aus Serbien und dem Kosovo. Beide Länder sind Beitrittsstaaten in die EU. Es ist für mich nicht nachvollziehbar das Länder als Beitrittskandidaten in die EU gelten wenn deren Einwohner in irgendeiner Form verfolgt werden.

2. | Steffi56 | Freitag, 05.12.2014 | 14:21 Uhr

Mich würde mal interessieren, wie es sein kann, dass diese massive Zuwanderung von Seiten der Politik schön geredet wird, in der Bevölkerung dann aber auf Ablehnung stösst? Dies wird auch aus dem bisherigen Leserkommentar deutlich! Ansonsten gäbe es weniger "Probleme" bei der Unterbringung wie in dem Artikel zu lesen, wenn es eine europaweite gerechtere Verteilung wirklich Schutzbedürftiger gäbe!!!

3. | Karla Kolumna | Freitag, 05.12.2014 | 15:44 Uhr

Versteh ich nicht das Amt zahlt pünktlich die Miete, da kann man sich drauf verlassen.

4. | HeinzNOH | Freitag, 05.12.2014 | 23:59 Uhr

@ Steffi56: Was heißt hier "massive Zuwanderung"? Was zur Zeit in der Türkei stattfindet ist massive Zuwanderung! Die paar Flüchtlinge, die hier auflaufen, sind doch zahlenmäßig nicht der Rede wert.

5. | Opa Gehrke | Samstag, 06.12.2014 | 10:11 Uhr

@ HeinzNOH Mit der Türkei gebe ich Ihnen Recht, aber SIe müssen bedenken wo und vor wie die Flüchtlinge dort leben! Es sind dort ein paar Zeltdörfer entstanden und nicht wie hier in Deutschland, wo man überlegt, Sporthallen die jeden Tag genutzt werden dicht zu machen um die Flüchtlinge aufnehmen zu können. In Deutschland läuft so einiges schief. Viele Obdachlose würden sich freuen wenn wegen ihnen eine Sporthalle geschlossen werden würde um diese sicher über den WInter zu bringen.


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