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Musical „D-Ten“: Warme Herzen in kalter Welt

D-Ten“: Warme Herzen in kalter Welt
Eine Probenszene mit Brian Lüken und Anke Schowe aus dem Musical „D-Ten“, das am Freitag, 11. März, um 20 Uhr, im Nordhorner „Kulturzentrum Alte Weberei“ zur Uraufführung gebracht wird. Foto: Westdörp

Das Musical „D-Ten“ der Nordhorner Musikschule steht vor der Uraufführung. Die letzten Proben laufen auf Hochtouren. Premiere ist am Freitag, 11. März, um 20 Uhr im Nordhorner „Kulturzentrum Alte Weberei“.

„Du bist so anders, du bist gestört! Und dein Verhalten – ist einfach unerhört“, rufen die weißen Gestalten in düsterem Einklang und kreisen den hilflosen David immer weiter ein. Einst nannte der Jugendliche diese Leute seine Freunde, doch als Widerständler in einem gleichgeschalteten System steht er nun alleine da. Hilflos muss er mit ansehen, wie sein ehemaliges Umfeld von einer höheren Macht vereinnahmt wird und ihn, der dagegen aufbegehrt, nun gnadenlos ausgrenzt. Es ist eine Szene aus dem Musikschul-Musical „D-Ten“, das in knapp einer Woche seine Premiere in der „Alten Weberei“ in Nordhorn feiert. Die Proben befinden sich in der letzten, heißen Phase und das gesamte Ensemble fiebert dem großen Auftritt entgegen.

Zu den Mitwirkenden zählen das „ConneXion“-Orchester der Musikschule Nordhorn, das die Instrumentalmusik liefert, ein junger Chor, der auch schauspielert und in die Handlung eingebunden ist sowie drei Solisten und die Off-Sprecherin Lea Hankemann. Gemeinsam wollen sie ein Stück auf die Bühne bringen, das einen überspitzten Bezug zur Wirklichkeit hat und gleichzeitig eine von Hürden gekennzeichnete Liebesgeschichte erzählt. Der Name des Musicals ist eine Anspielung auf die ägyptische Hieroglyphe „Horusauge“, die unter der Kennzahl D10 verzeichnet ist und für Schutz, Vollkommenheit und Macht steht.

Ein Kampf zwischen David und Goliath

Die Handlung spielt in naher Zukunft und greift die zum Teil heute schon bestehende Abhängigkeit von Internet und sozialen Netzwerken auf. In jener Welt hat sich die Situation insofern weiterentwickelt, als nun das gesamte menschliche Dasein vom Online-Riesenkonzern „D-Ten“ kontrolliert wird. Ab dem 10. Lebensjahr besteht für alle Menschen die Pflicht, sich im „D-Ten“-Netzwerk „Facetrack“ anzumelden. Kontakte von Mensch zu Mensch treten in den Hintergrund, Abweichlern droht die soziale Isolation. „Ineffizient, irrelevant, inakzeptabel – Gefühle schaden dem System. Wer dagegen ist, muss die Konsequenzen tragen“, dröhnt es mit emotionsloser Stimme aus dem Off.

Doch ein Jugendlicher will sich mit der Situation nicht abfinden: der Protagonist David. „Es gibt keine Freiheit in dieser kalten Welt“, klagt er an, und muss bald spüren, dass seine Rebellion kein harmloses Unterfangen ist. Ein echter Kampf zwischen David und Goliath. In großer Sorge ist daher seine Mutter Magda, die sich in ihrer Verzweiflung an den „D-Ten“-Wachmann Peter wendet. Dabei keimt gerade das auf, was das System in aller Form verachtet: Gefühle. Eine spannende Geschichte nimmt ihren Lauf.

D-Ten“: Warme Herzen in kalter Welt
Ivo Weijmans komponierte „D-Ten“. Unter seiner Leitung studieren das „ConneXion-Ensemble“ der Musikschule sowie ein Chor und Gesangssolisten das Stück ein. Foto: Westdörp

Vor rund zwei Jahren kam Ivo Weijmans, stellvertretender Leiter der Musikschule, die Idee, ein Musical auf die Beine zu stellen. Er komponierte die Musik, stellte den Handlungsrahmen auf. „Wir leben in einer Zeit, in der private Webcams von außerhalb eingeschaltet werden können. ,D-Ten‘ ist also nicht mehr weit entfernt von der jetzigen Welt, sozusagen die nächste Konsequenz“, kommentiert er die Story. Trotz des dunklen Gerüsts sei es eine Geschichte über Liebe: sowohl die Zuneigung zwischen zwei Menschen, aber auch das Verhältnis von Mutter und Sohn sowie Freundschaft im Allgemeinen.

Zur Entwicklung des Musicals hat Weijmans sich Verstärkung ins Boot geholt. Kerstin Spanke, Leiterin des Nordhorner Kulturreferats, war sofort mit Feuereifer dabei und verfasste das Libretto. „Die Story hat mich einfach gepackt, es ist viel Wahres daran“, sagt Spanke, die zwar Theatererfahrung hat, jedoch bislang eher im Bereich von Regie und Öffentlichkeitsarbeit. Insofern war es auch für sie eine gewisse Premiere, auf diese Weise literarisch kreativ zu werden.

Viele Treffen gab es daraufhin mit Ivo Weijmans, die Ideen wurden sich wie Pingpong-Bälle zugespielt. Für Spanke ist das Engagement, das sie neben ihrem Beruf aufbringt, ein gutes Gegengewicht zu Verwaltungstätigkeiten. Und noch einen Nebeneffekt gibt es: „Sonst kaufe ich Kultur ein, jetzt mache ich selbst aktiv Kultur. Somit ist man wieder näher dabei.“

Mit Komposition und Libretto ist das Musical perfekt – zumindest auf dem Papier. Doch wie wirkt es später auf der Bühne? Diese Frage beantwortet Nils Hanraets vom Theaterpädagogischen Zentrum (TPZ) in Lingen, der als Regisseur gewonnen werden konnte und die „D-Ten“-Troika, wie sie sich selbst augenzwinkernd nennen, komplett macht. Er hat dem Musical seine dramaturgische Form verliehen, aber stets dabei die Ideen der mitwirkenden Jugendlichen aufgenommen. Als Pädagoge gehen von ihm auch keine einfachen Regieanweisungen aus, sondern immer damit verknüpfte Erklärungen, warum etwas so oder so umgesetzt werden sollte.

D-Ten“: Warme Herzen in kalter Welt
Nils Hanraets vom Theaterpädagogischem Zentrum in Lingen inszeniert das Musical. Er hat dazu auch die Ideen der mitwirkenden Jugendlichen aufgenommen. Foto: Westdörp

Spannend findet Regisseur Hanraets vor allem, dass es bei „D-Ten“ keine klassische Chorsituation gibt, sondern die Sängerinnen und Sänger konkrete Rollen übernehmen. „Es ist schön zu sehen, wie sehr sich die Jugendlichen damit identifizieren“, sagt er. Da viele von ihnen bislang zwar gesangliche, aber kaum schauspielerische Erfahrungen haben, galt es zunächst, noch einige „Basics“ zu vermitteln. Anerkennend sagt Hanraets zum Prozess: „Die Jugendlichen sind über sich hinausgewachsen.“ Von der Zusammenarbeit mit Ivo Weijmans und Kerstin Spanke schwärmt er ebenso wie die beiden anderen Troika-Mitglieder. Alles sei sehr produktiv gelaufen, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung – ohne dabei den Spaß an der Sache zu verlieren.

Bei einem Probenwochenende vor zwei Wochen am Original-Spielort in der „Alten Weberei“ hat sich dann gezeigt, wie sich die verschiedenen Elemente des Musicals zusammenfügen. Hier muss noch etwas an der Aufstellung des Chors gefeilt werden, dort müssen noch ein paar Takte in der Musik gestrichen werden, um zu lange Pausen auf der Bühne zu vermeiden. Es herrscht eine disziplinierte, aber fröhlich-lockere Atmosphäre. Drama-Queens à la „So kann ich nicht arbeiten!“ finden sich dort nicht.

Auch die Hauptdarsteller sind voller Vorfreude, wie etwa der 26-jährige Brian Lüken aus Lingen, der die Rolle des David verkörpert. Mit seiner Bühnenfigur kann er sich zwar identifizieren, stellt aber auch einen Unterschied zur realen Welt dar: „Ich komme sehr gut mit dem System der sozialen Medien klar“, sagt er und befürwortet das vernetzte Leben der heutigen Zeit – solange man die Grenzen selbst in der Hand hat.

Mark Stouwdam, der den „D-Ten“-Wachmann Peter spielt, muss eine ganz eigene Herausforderung meistern: die Sprache. Für den Niederländer ist das aber kein negativer Aspekt. Im Gegenteil: „Es ist schön, das alles auf Deutsch zu machen. Man muss sich dabei sehr auf den Text konzentrieren. So kommt man tief in die Rolle hinein.“ Besonders gefällt ihm die Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen: „Von ihnen gehen so viel Emotionen und Leidenschaft aus, anders als bei manchem Profi. Das ist eine sehr schöne Erfahrung.“

„Da bekommt man nicht nur eine Gänsehaut.“

Anke Schowe, die Davids Mutter darstellt, lobt die Handlung des Stücks: „Das ist ein richtig guter Thriller“, meint sie. „Ich muss gar nicht viel spielen, weil die Story so rund ist.“ Als sie das erste Mal von der Geschichte hörte, habe sie eine Gänsehaut bekommen und direkt gesagt: „Ja, da will ich mitmachen!“

Was das Ensemble auf die Bühne bringt, wirkt bereits bei den Proben fesselnd – sowohl akustisch als auch optisch, auch wenn das von Ansgar Silies entworfene Bühnenbild zu dieser Zeit noch nicht steht. Es soll bei den Aufführungen bewusst minimalistisch gehalten werden, dazu kommt viel Einsatz von Licht. Regisseur Hanraets legt wert darauf, dass „D-Ten“ ein Musical „ohne Löcher“ wird – also keine langen Umbauphasen oder Pausen. Eins soll sich ins andere fügen.

Als das „ConneXion“-Ensemble und die Darsteller zur fulminanten Schlussszene ansetzen, wirkt Kerstin Spanke ganz gebannt. „Diesen Teil hab ich noch nicht gesehen“, erzählt sie. Es sei ein ganz besonderes Gefühl, wenn die eigenen Texte umgesetzt werden und dann zu einem sprechen. Sie gibt zu: „Da bekommt man nicht nur eine Gänsehaut – sondern muss auch manches Tränchen verdrücken.“

Tickets gibt es bei den Proticket-Verkaufsstellen oder unter www.proticket.de (18 Euro, GN-Card-Rabatt: 1 Euro, ermäßigt 9 Euro). Die drei Aufführungen sind am Freitag, 11. März, um 20 Uhr sowie am Sonnabend, 12. März, jeweils um 15 und 20 Uhr.

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