03.09.2013, 00:00 Uhr rating rating rating rating rating

Mit Pudel und "Euro-Wehr"

GN-Porträt: Martina Härting (AfD) ist über Nacht politisch aktiv geworden

 und "Euro-Wehr"

Von Marianne Begemann. - Geeste. Geboren ist Martina Härting 1956 in Meppen und lebt heute in der Gemeinde Geeste. In ihrem Lebenslauf stellt sie sich als Arbeiterkind vor. Der Vater arbeitete beim Wasserschifffahrtsamt in Meppen. Eigentlich wollte sie Sozialpädagogik studieren. Aber da das zur damaligen Zeit nicht üblich gewesen sei für ein Arbeiterkind, hat sie den Beruf der Zahnarzthelferin gelernt. Später arbeitete sie bei einer EDV-Firma in Frankfurt und entwickelte dort die ersten Computerprogramme für Zahnärzte. Dabei lernte sie ihren Mann, einen Zahnarzt kennen. Gemeinsam bauten sie ihre Praxis in Meppen auf, die Martina Härting seitdem organisiert. Die beiden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, sind inzwischen erwachsen und studieren. Viele Jahre war die 57-Jährige zusammen mit ihrer Tochter dem Reitsport und hier der Vielseitigkeit verbunden. "Zurzeit habe ich allerdings nur einen kleinen Pudel", schreibt sie. Soviel zur privaten Seite von Martina Härting.

Politisch aktiv ist sie erst seit dem 1. Mai. An diesem Tag wurde der Landesverband der AfD in Niedersachsen gegründet und die Emsländerin als Beisitzerin in den Vorstand gewählt. "Das war eine ganz spontane Sache von mir. Zwei Tage vorher habe ich mir überlegt, zu kandidieren", sagt sie. Seitdem gehört sie zum Organisationsteam des Landesverbandes und hat bereits mehrere Kreisverbände aus der Taufe gehoben, so auch den Kreisverband Mittelems und Cloppenburg-Vechta. Dessen Mitglieder kürten sie dann kurzerhand zur Direktkandidatin für den Wahlkreis 31.

"Da habe ich zunächst gedacht: oh Gott", erinnert sich Martina Härting. Obwohl, so ganz ohne politische Erfahrung war sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Immerhin war sie rund 30 Jahre lang Mitglied in der CDU und anfangs kurz auch aktiv auf kommunaler Ebene. Ausgetreten ist sie im Februar 2013, als ihr Mann sie auf die gerade erst gegründete AfD aufmerksam machte. "Ich habe viele Jahre eine für mich wählbare Partei gesucht", sagt sie. In der AfD, zu deren Kernforderungen bekanntlich die "geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes" und die Wiedereinführung nationaler Währungen gehört, hat sie ihrer Überzeugung nach eine politische Heimat gefunden.

Denn: "Ich bin der Meinung, dass wir mit der derzeitigen Politik in die Katastrophe laufen und unseren Kindern einen riesigen Schuldenberg hinterlassen." Bei diesem Thema kann sie sich so richtig in Rage reden. Auch wenn es um den Vorwurf geht, die AfD sei populistisch und grenze sich nicht genug nach rechts ab.

Aber eigentlich ist das Reden nicht so ihr Ding. "Ich bin ein Mensch, der nicht so viel redet, sondern handelt. Ich muss was zu tun haben", sagt sie von sich selbst. Über mangelnde Arbeit kann sie sich im Wahlkampf nicht beklagen. Viele Dinge sind dabei neu für sie, wie Wahlplakate kleben, Handzettel verteilen oder an Podiumsdiskussionen teilnehmen.

Ihr ganzer Stolz ist übrigens ein alter Feuerwehrwagen, der schräg gegenüber ihrem Wohnhaus in Klein-Hesepe geparkt ist. Den hat Martina Härting über E-Bay ersteigert und zusammen mit ihren Kreisverbandskollegen auf Vordermann gebracht - bemalt mit frischer roter Farbe und bestückt mit Wahlplakaten der Partei.

Mit dieser "Euro-Wehr" - und immer in Begleitung ihres mitunter in den Farben der AfD gekleideten Pudels - ist sie unterwegs in ihrem Wahlkreis. Das heißt: In der Grafschaft Bentheim war sie noch nicht. "Das kommt noch", versichert sie und räumt freimütig ein, sich noch nicht mit den spezifischen Grafschafter Gegebenheiten auseinander gesetzt zu haben. "Klar muss ich Ansprechpartnerin für die ganze Region sein, wenn es soweit ist", meint sie.

Mit "soweit" meint sie den Bundestag. Obwohl Martina Härting nicht auf der Landesliste ihrer Partei abgesichert ist und zumindest die großen Umfrageinstitute die AfD unter der 5-Prozent-Hürde sehen, will sie nicht ausschließen, dass sie in den Bundestag gewählt wird. "Ich bin ein Kind der Region, man kennt mich", sagt sie von sich selbst überzeugt.

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