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Köpfe und Kristall für den Meistertitel

 Kristall für den Meistertitel
Maskenbildner Enrico hilft in Münster im Theater der angehenden Maskenbildnerin Caroline Gast bei der Herstellung einer Maske für die Deutsche Meisterschaft. Foto: Marcel Kusch

Mit Hilfe von Airbrush, Make-up und einem Gesichtsteil entsteht eine Kreatur aus einer fernen Galaxie. Caroline Gast bereitet sich am Theater Münster auf die Deutsche Meisterschaft für Maskenbildner vor.

Münster. Ein dreiköpfiges Wesen blickt dem Betrachter entgegen, streng und ernst. Auf jeder Stirn leuchtet ein grünlich-blauer Vollmond, im kunstvoll aufgetürmten Haar thront mittig ein funkelnder Kristall. Plötzlich legt sich ein feiner türkiser Sprühnebel über das Gesicht. Konzentriert hält Caroline Gast die Airbrush-Pistole in der Hand. Neben ihr liegt die Skizze der außerirdischen Figur, die rein ihrer Fantasie entspringt.

An diesem Sonntag, 6. März, muss jeder Handgriff sitzen. Dann wird Gast während der „Deutschen Meisterschaft für Maskenbildner in Ausbildung“ in Düsseldorf das fremde Geschöpf zum Leben erwecken. Mit einer Skizze zum Wettbewerbsthema „Außerirdische“ und einer Arbeitsbeschreibung hatte sich der Lehrling vom Theater Münster vergangenes Jahr für die Meisterschaft beworben.

„Ich bin es gewohnt, unter Zeitdruck zu arbeiten.“

Gast wurde unter den 23 Konkurrenten für das Finale ausgewählt. Nun muss sie gemeinsam mit sieben anderen Teilnehmerinnen innerhalb von 90 Minuten vor den strengen Augen der vier Juroren und dem Publikum der Fachmesse „make-up artist design show“ zeigen, was sie in den vergangenen drei Jahren am Theater gelernt hat. „90 Minuten sind schon ziemlich sportlich, aber ich bin es gewohnt, unter Zeitdruck zu arbeiten“, sagt die 26-Jährige, die aus Plauen im Vogtland (Sachsen) stammt. Für die drei Besten sind Geldpreise von 1000, 750 und 500 Euro ausgelobt.

Seit vier Monaten arbeitet Gast an dem in der Fachsprache „Prosthetic“ genannten Gesichtsteil, das sie zum Wettbewerb mitbringen darf. Wie gut ihr der Übergang zwischen der Schaummaske mit den zwei Gesichtern und dem Make-up auf der Haut ihres Models gelingt, fließt in die Gesamtbewertung mit ein. Einen Eindruck von der „make-up-artist-show“ vom vergangenen Jahr, gibt es im folgenden Video.

„Das Gesicht werde ich mit türkiser Airbrush-Farbe grundieren und dann Verzierungen wie den Mond mit Theaterfettschminke auftragen“, erklärt Gast. Einige Male hat sie die Abläufe schon geprobt. „Bis jetzt ist immer etwas schief gegangen, darauf bin ich schon eingestellt.“ Für die internationale Jury sind die Umsetzung der eingereichten Skizze und das proportionsgerechte Aufsetzen des Kopfschmucks oder Gesichtsteils wichtig. Außerdem wird sie kontrollieren, wie gut die Teile sitzen.

„Der Wettbewerb soll auch dazu dienen, junge Menschen für diesen spannenden, aber recht seltenen Beruf zu interessieren und zu zeigen, wie viel handwerkliches Können dahintersteckt“, erläutert Bernd Staatz, Chefmaskenbildner an der Deutschen Oper am Rhein und fachlicher Leiter der Meisterschaft. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni vergangenen Jahres 1907 Maskenbildner in Deutschland als Festangestellte in Voll- oder Teilzeit tätig. 95 Auszubildende schickten sich an, es ihnen gleich zu tun. Neben dieser klassischen dualen Ausbildung gibt es die Option, eine private Schule zu besuchen oder Maskenbild zu studieren.

Film-, Fernseh- oder Fotoproduktionen sind Einsatzgebiete

„Die Ausbildung ist sehr vielseitig“, legt Bernd Staatz dar. „Die Azubis lernen alle im Rahmenplan stehenden Aufgaben am Theater und beim Fernsehen, vom Schminken über den Maskenbau bis hin zum historischen Frisieren kennen und haben in einer der drei Berufsschulen Blockunterricht unter anderem in Konzepterstellung, Anatomie, Material- und Stilkunde.“ Wer hier erfolgreich ist, hat die Chance, an einem der über 300 privaten oder staatlichen deutschen Theater zu arbeiten. Auch Film-, Fernseh- oder Fotoproduktionen sind Einsatzgebiete.

Wenn Caroline Gast im Juni ihre Ausbildung beendet, wird sie wahrscheinlich am Theater im westfälischen Münster bleiben. Jetzt will sie sich aber erst einmal auf den Wettbewerb konzentrieren. Dem zweiköpfigen Gesichtsteil fehlen bislang einige Verzierungen, die es plastischer machen sollen. Vor Gast liegen noch viele Stunden Arbeit. „Man muss diesen Beruf wirklich wollen und einiges dafür in Kauf nehmen, aber dann ist er sehr erfüllend“, sagt Gast.

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