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Kandidatenpuzzle in Osnabrück

Auch Termin für die Wahl des neuen Oberbürgermeisters ist weiterhin offen

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Von Hermann Gerdes - Osnabrück. Nachdem der bisherige Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius ins Innenminister-Amt der neuen rot-grünen Landesregierung wechselte, wird die weitere Entwicklung offenbar Stoff für lokale Spaßmacher. So ist der Osnabrücker Kabarettist Kalla Wefel offiziell der erste Kandidat um das Oberbürgermeisteramt der Stadt Osnabrück. "Ich meine es ernst!", meinte er. "Ich kandidiere".

Währenddessen muss sich die CDU den drittbesten Kandidaten schön reden. Wie berichtet, soll es der amtierende Stadtbaurat Wolfgang Griesert für die Christdemokraten richten, der bereits 2006 die Oberbürgermeisterwahl verloren hatte. SPD und FDP suchen noch nach geeigneten Kandidaten.

Kalla Wefel kennt sie alle. Seit 2002 wohnt er in Osnabrück und veranstaltet einige Male pro Jahr in der Lagerhalle den "Osnabrücker Heimatabend", auf dem er sich mit Gästen in erster Linie über stadtspezifische Themen unterhält. Neben dem Tanzweltmeister Michael Hull, den Fußballtrainern Joe Enochs, Karsten Baumann und Pele Wollitz waren auch der seit wenigen Tagen Ex-Oberbürgermeister Boris Pistorius oder der Generalsekretär der Bundesumweltstiftung Fritz Brickwedde Gäste bei ihm auf dem Sofa.

Ob sie sich über die je nach Sichtweise angenehmen oder unangenehmen Pensionszahlungen der Stadt Osnabrück unterhalten haben, ist nicht überliefert. Auch das Malheur mit Jutta Bott, die vor vier Monaten nach 14 Tagen Amtszeit bereits als Kulturdezernentin abgewählt wurde, scheint schon vergessen.

Den Osnabrücker Haushalt belasteten oder belasten noch hohe Pensionszahlungen - und jeweils 70 Prozent der Arzt- und Krankenhausrechnungen - für die ehemaligen Oberstadtdirektoren Wimmer und Haverkämper, für die Dezernenten Zimmermann, Ellinghausen, Leyendecker und Sliwka, die teilweise bereits vor dem Ablauf der Amtszeit abgewählt worden waren.

Aber jetzt scheinen die Osnabrücker die Kehrseite dieser Medaille kennen zu lernen. Dr. Horst Baier musste als Dezernent gehen, weil er mit dem bald allein verbleibenden Verwaltungsvorstandsmitglied Rita Maria Rzyski liiert war. Aber Baier wurde Nachfolger des neuen Osnabrücker Landrates Michael Lübbersmann als Samtgemeindebürgermeister in Bersenbrück. Das dortige Salär mindert die Pensionslasten. Für Jutta Bott, die jetzt monatlich 3000 Euro erhält, zahlte die Stadt Kassel nach einer neuen Ländervereinbarung einen Abstand von 270900 Euro. Als Oberstadtdirektor wurde zwar jetzt auch Boris Pistorius in den Ruhestand verabschiedet, doch so lange er Innenminister bleibt, fallen die Zahlungen nicht der Stadtkasse Osnabrück zur Last.

Auch bei Wolfgang Griesert könnte das Glück den Osnabrückern hold sein. Ende Mai läuft seine Amtszeit als Baudezernent aus. Die Wiederwahl des 55jährigen Beamten scheiterte an der rot-grünen Ratsmehrheit. Rund 5000 Euro Pension per Monat wären die Folge. Jetzt nominierte ihn aber der CDU-Vorstand - die Mitglieder-Versammlung muss noch zustimmen - zum Oberbürgermeisterkandidaten.

Vorher aber hatte die CDU Fritz Brickwedde favorisiert. Der frühere Regierungssprecher Niedersachsens darf aber bei einer Wahl im September nicht antreten, da er im Juli 65 wird. Dann sollte Dr. Christine Hawighorst geworben werden. Sie studierte Jura in Osnabrück, war angesehen bei der Stadt Lingen, beim Landkreis Emsland und als Staatssekretärin in verschiedenen Landesministerien. Aber Hawighorst sagte den Osnabrückern ab.

Die CDU will nach wie vor eine Oberbürgermeisterwahl am 9. Juni. Es sei dringend nötig, die Führungsposition schnell wieder zu besetzen, meinte Ratsfraktionschef Fritz Brickwedde. SPD und Grüne favorisieren eine Kopplung der OB-Wahl mit der Bundestagswahl am 23. September. In der nächsten Ratssitzung am 5. März soll die Entscheidung über den Wahltermin fallen.

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