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Flüchtlinge betreiben Café in Eigenregie

ge betreiben Café in Eigenregie
Bei der Eröffnung dabei war auch Samtgemeindebürgermeister Günter Oldekamp (links). Foto: Mummert

Neuenhaus hat ein eigenes Flüchtlingscafé, das von Asylsuchenden betrieben wird. Im Jugendzentrum „Gleis 1“ können sich mittwochs Flüchtlinge und Neuenhauser treffen.

Neuenhaus. Der syrische Flüchtling Ayham Albukaai lehnt entspannt hinter dem Tresen des Neuenhauser Jugendtreffs „Gleis 1“. Im Eingangsbereich ist es ziemlich voll. Rund 40 Gäste drängen sich hier zwischen Theke und Regalen voller Gesellschaftsspiele. Hauptsächlich sind es Flüchtlinge und Mitglieder des Neuenhauser Asylkreises. Sie unterhalten sich, spielen Karten oder versuchen sich im Billard.

Es ist die Eröffnung des ersten Flüchtlingscafés in Neuenhaus. Ayham Albukaai und Abdullah Alaliwee organisieren das Ganze. „Ich bin deswegen nicht nervös“, sagt Albukaai und schüttelt entschieden den Kopf. Der 24-jährige Syrer habe bereits vorab gewusst, dass viele Gäste kommen würden. Albukaai hofft, dass hier ein Treffpunkt entsteht, um Kontakte zu knüpfen – zu anderen Flüchtlingen; aber auch zu Deutschen. „Der Kontakt mit Deutschen hilft bei der Sprache“, sagt er. Er nützt auch bei der Rekrutierung von freiwilligen Helfern. So hat sich etwa die 17-jährige Neuenhauserin Lorena Wagner bereit erklärt, ehrenamtlich im Flüchtlingscafé mitzuarbeiten. „Ich helfe gerne, daran habe ich Spaß“, sagt sie und ergänzt: „Wenn man helfen kann und Zeit hat, sollte man das auch tun.“ Wagner macht bereits in der „Glocke“ in Nordhorn mit.

ge betreiben Café in Eigenregie
Im Flüchtlingscafé kann in geselliger Runde Billard gespielt werden. Foto: Mummert

Samtgemeindebürgermeister Günter Oldekamp lobt das Café als „neue Etappe“, auf der sich Flüchtlinge und Neuenhauser kennenlernen: „Wir leisten einen kleinen Beitrag dafür, dass sich unsere neuen Mitbürger hier wohlfühlen.“ Für den Syrer Abdullah Alaliwee markiert das Café „einen Neuanfang für die Flüchtlinge im neuen Jahr.“ Ebenso wie Ayham Albukaai, verspricht er sich von dem Projekt, viele neue Kontakte. „Ich bin froh, dass sich unser Deutsch gebessert hat. Jetzt müssen wir uns nicht länger auf englisch unterhalten, sondern können auch miteinander diskutieren.“ Beispielsweise über die Silvester-Attacken in Köln. „Ich finde es scheiße, was dort passiert ist“, sagt Alaliwee.

Aus persönlichem Interesse schaute auch Hermann Josef Quaing, Geschäftsführer des Grafschafter Caritasverbandes, bei der Eröffnung vorbei. „Ich bin total beeindruckt, das ist eine super Idee“, sagt er und lobt das Projekt als „richtig gute Möglichkeit der Integration“. Für den Gast aus Nordhorn ist die Zahl der Besucher bereits ein gutes Zeichen. Quaing: „Das Café fängt in einem überschaubaren Rahmen an und kann noch ganz viel wachsen.“ Gleichzeitig weist er darauf hin, dass sich das Publikum durchmischen muss. Nur wenn sich Flüchtlinge und Deutsche dort begegnen, bleibe das Café-Projekt in einem „guten Zustand“.

Die Idee eines Flüchtlingscafés in Neuenhaus macht schon seit einigen Monaten die Runde. Auf dem Treffen des Asylkreises im Oktober wurde vorgeschlagen, ein solches Café in der ehemaligen Bäckerei „Börger“ an der Hauptstraße einzurichten.

„Wir wollen nur helfen.“

Anfang November bestätigte Samtgemeindebürgermeister Oldekamp, dass es tatsächlich die Idee gibt, ein Asylcafé in Neuenhaus einzurichten. Allerdings stellte Oldekamp auch klar: „Das ist Aufgabe des Asylkreises. Wir wollen nur helfen.“ Konkrete Objekte waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Aussicht. Als Möglichkeit nannte er das Jugend- und Kulturzentrum „Gleis 1“ oder eine Kirchengemeinde. Es sollte das „Gleis 1“ werden.

Mitte Dezember setzten sich dann Mitglieder des Asylkreises, Betreiber des Jugendzentrums, Mitarbeiter der Samtgemeinde sowie einige Flüchtlinge an einen Tisch und entwickelten ein Konzept für das geplante Café. „Von Flüchtlingen für Flüchtlinge“ lautete das Motto. In Eigenregie sollen Asylsuchende aus Neuenhaus das Café betreiben, während Mitglieder des Asylkreises ihnen unterstützend unter die Arme greifen.

Einer der Hauptgedanken war dabei, eine Begegnungsstätte zu schaffen, die regelmäßig geöffnet ist. Das „Gleis 1“ wird, beginnend mit dem Dreikönigstag, den Flüchtlingen jeden Mittwoch ihre Räumlichkeiten für ihr Café zur Verfügung stellen. Die ersten drei Monate gelten dabei als „Probezeit“. Während der Eröffnung sagte Oldekamp dazu: „Wir müssen schauen, wie sich das Café entwickelt und ob es hohen Zuspruch findet.“

Das Café öffnet jeden Mittwoch von 16.30 bis 19.30 Uhr.

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Die Meinung unserer Leser

2 Leserkommentare

1. | Observator | Freitag, 08.01.2016 | 11:54 Uhr

Tolle Idee. Hoffe, dass das Angebot auch angenommen wird und miteinander zu reden und nicht nur übereinander.

2. | Eins A | Samstag, 09.01.2016 | 10:16 Uhr

Grundsätzlich finde ich die Idee auch gut. Aber ich habe keine Angst, daß das Angebot nicht genügend angenommen wird. Und wenn auch nur die vielen "Gutmenschen", von denen auch einige hier schreiben, geregelt kommen, wird das "Gleis 1" aus allen Nähten platzen!


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