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Engagierte Menschenfreundin: Eva Pankok ist tot

e Menschenfreundin: Eva Pankok ist tot
Eva Pankok war anlässlich einer Sommerausstellung im Juni 2015 zum letzten Mal in Gildehaus. Foto: Konjer

Eva Pankok ist tot. Die Künstlerin und Tochter des Malers Otto Pankok starb am Dienstag im Alter von 90 Jahren in Wesel.

Gildehaus. „Wäre Eva Pankok nicht gewesen, würde es das Otto-Pankok-Museum in Gildehaus nicht geben. Sie hat uns ermöglicht, hier einen solchen Erinnerungsort zu schaffen“, sagte Ulrich Oettel, Vorsitzender des Otto-Pankok-Vereins. Ihr Leben lang hat sich die Künstlerin für das Erbe ihrer Eltern und insbesondere ihres Vaters eingesetzt.

Gildehaus kannte die 1925 geborene Eva Pankok seit 80 Jahren. Als ihr Vater auf der Flucht vor den Nationalsozialisten 1936 hier einen Sommer verbrachte, war die damals Elfjährige häufig zu Besuch – und entdeckte auch alle Orte, die ihr Vater malte: den alten Steinbruch, die Wiesen im Sieringhoek, Szenen aus der Gildehauser Dorfstraße.

Exponate kostenlos zur Verfügung gestellt

Für die mittlerweile 51 Ausstellungen seit der Gründung des Museums 1996 stellte Eva Pankok Exponate ihres Vaters stets kostenlos zur Verfügung. Sie öffnete immer wieder ihr Haus und ihre Archive, sodass die Gildehauser Museumsmacher aus dem reichen Fundus schöpfen konnten. Eva Pankok hatte eine sehr enge Bindung zu ihrem Vater. Nicht verheiratet und kinderlos, sah sie es als ihren Auftrag an, das Vermächtnis Otto Pankoks selbstlos zu pflegen. Auch Evas besonderes Interesse galt den Menschen am Rand der Gesellschaft sowie der Natur und der Kreatur.

Eva Pankok bewahrte die Verbindungen ihrer Eltern zu Menschen jeglicher Nationalität und Herkunft. Unter anderem pflegte sie Kontakte zu vielen Sinti, denen Otto Pankok einen großen Teil seiner Arbeiten widmete. „Sie hat Werk und Botschaft ihres vor 50 Jahren gestorbenen Vaters weitergeführt“, sagte Ulrich Oettel, der die Künstlerin auch als große Menschenfreundin in Erinnerung behält. Eva Pankok war außerdem eine großartige Gastgeberin. Ulrich Oettel erinnert sich, dass sie Besuchern an ihrem Wohnort Haus Esselt in Hünxe gerne vorschlug, schnell einen „Pannkoken“ zu backen. Schon allein wegen der Ähnlichkeit zu ihrem Nachnamen habe Eva Pankok dieses Gericht besonders gerne an ihrem schweren Holztisch serviert.

Gerne und oft in Gildehaus

Eva Pankok kam gerne und oft nach Gildehaus. Noch kurz vor ihrem 90. Geburtstag ließ sie es sich im Juni 2015 nicht nehmen, die Sommerausstellung „Ansichten von unterwegs“ mit Bildern von Eva und Otto Pankok zu eröffnen. Das sollte ihr letzter Besuch in diesem Museum sein, das sie von Beginn an tatkräftig unterstützt hat. „Dieses Museum ist mein Leben, es bedeutet mir alles!“, sagte sie damals im Gespräch mit den GN und zeigte sich dankbar und glücklich über die engagierte Arbeit, die das Museum seit 20 Jahren für das Werk ihres Vaters leistet.

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte 2014 Otto und Hulda Pankok posthum mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“, der höchsten Auszeichnung des Staates Israel für Nicht-Juden. Sie hatten während der Nazizeit Juden im Kinderzimmer Eva Pankoks versteckt. Eva Pankok nahm diese Ehrung für ihre Eltern entgegen.

Persönlicher Kontakt war eng

In insgesamt sechs Ausstellungen in den vergangenen 20 Jahren waren auch Werke von Eva Pankok zu sehen. Sie war selbst eine geachtete Künstlerin, trat aber immer hinter das Werk ihres Vaters zurück. Der Gildehauser Otto-Pankok-Verein verliert mit Eva Pankok auch eine Freundin. Die persönlichen Kontakte waren eng, Ulrich Oettel, Wilhelm Hoon und andere Vereinsmitglieder waren regelmäßig auch privat in Hünxe eingeladen, zuletzt auf der großen Feier zum 90. Geburtstag im Juli.

In Hünxe übernimmt künftig die Otto-Pankok-Stiftung die Verwaltung des dortigen Museums und der Werke. Angehörige und Vorstand der Stiftung sprechen von einem „unersetzlichen Verlust“ und sagen über Eva Pankok: „Ihr unerschütterlicher Humanismus, ihre Menschenliebe und engagierte Vermittlung von Werk und Gesinnung ihrer Eltern werden Leitbild für die Fortführung der Arbeit der Stiftung sein.“

In der am Freitag eröffneten aktuellen Retrospektive in Gildehaus sind auch zwei Ölgemälde von Eva Pankok zu sehen, von 1970 und 2005. Sie zeigen farbenfroh die Landschaft ihrer geliebten Provence und dokumentieren ihre langjährige Arbeit als Malerin. Sie führte den Pinsel frei, arbeitete nicht detailverliebt. „In Eva Pankoks Bildern geht es vielmehr um einen Entwurf von Lebendigsein“, sagte Ulrich Oettel einmal. Bereits in den frühen Arbeiten nach Nazizeit und Zweitem Weltkrieg spiegelten Eva Pankoks Bilder so die Hoffnung, was im Leben möglich sein könnte. Und dieses Vermächtnis bleibt von dieser Frau, die als Tochter und als Künstlerin so viel bewegt hat.

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