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Eine Freundschaft, die seit 40 Jahren hält

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Freunde nicht nur auf dem Platz: Spieler aus Lodsworth und Suddendorf-Samern nach dem letzten Länderspiel vor zwei Jahren in England. Fotos: SuSa-Archiv

Seit 40 Jahren verbindet den SV Suddendorf-Samern eine enge Freundschaft mit dem Lodsworth FC. Und trotz der Entfernung von über 700 Kilometern sind sie sich nie fremd geworden.

Helmut ist so wie viele Jungen in diesen 70-er Jahren: Der Dötz aus Suddendorf spielt gerne draußen, am liebsten mit seinen Freunden, vor allem spielt er gerne Fußball. Auch mit Paul kickt er manchmal auf den Wiesen daheim in Suddendorf. Was sollte er auch sonst machen, wenn er seinen in etwa gleichaltrigen Cousin aus England nicht versteht? Paul Newell wächst schließlich in Lodsworth auf, Grafschaft Sussex, im Südwesten Englands. Und natürlich spricht Paul, dessen aus Ohne stammende Oma Hermanda nach dem 2. Weltkrieg in England eine neue Heimat gefunden hatte, nur Englisch. „Das konnte ich leider nicht. Aber Fußball“, sagt Helmut Klang, „Fußball konnten wir trotzdem zusammen spielen.“

Helmut Klang sitzt an diesem Spätwinterabend im Vereinsheim seines Heimatvereins SV Suddendorf-Samern und denkt an die regelmäßigen Besuche der englischen Verwandtschaft vor mehr als 40 Jahren zurück. Und erinnert sich an eine Idee der beiden Jungen, als sie auf dem Hof der Eltern wieder einmal „Deutschland gegen England“ spielten: „Ein echtes Länderspiel zwischen den Dörfern, das wär‘s doch mal, haben wir damals gedacht.“ Was er und Cousin Paul damals nicht ahnen konnten: Sie legten den Grundstock für eine 40-jährige Freundschaft zwischen den Vereinen SV Suddendorf-Samern und Lodsworth FC, zwei rund 700 Kilometer voneinander entfernten und zudem vom Ärmelkanal getrennten Gemeinden.

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Weißt du noch? In Erinnerungen schwelgen Helmut Klang (Foto oben, links) und Ralf Schmidt (rechts) beim Blick auf einige Gastgeschenke der Engländer. Foto: Konjer

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Fast von Beginn an dabei: Fred Ratering zeigt einen Bericht aus der englischen Presse. Foto: Konjer

Pauls Vater Tom Newell, damals wie heute Präsident des Lodsworth Football Clubs, hatte die Länderspiel-Idee der Jungs begeistert aufgenommen, in seinem nur rund 60 Mitglieder starken Verein Werbung gemacht und über Ostern 1976 eine Klubtour nach Suddendorf organisiert. Seitdem besuchen sich die Vereine alle zwei Jahre, und die Freundschaft ist im Jahr 2016 vielleicht so intensiv wie selten zuvor. „Sie blüht sogar richtig auf“, sagt Fred Ratering, der seit 1982 alle SuSa-Fahrten nach Lodsworth mitgemacht hat, „mittlerweile fahren viele junge Leute mit, die von den Anfängen der Vereinsfreundschaft kaum noch etwas wissen.“

Am kommenden Freitag nun reist zum elften Mal eine rund 40-köpfige Gruppe aus dem beschaulichen Lodsworth in die Obergrafschaft. Die Gastgeber planen – wie alle vier Jahre – ein dreitägiges Programm mit einem offiziellen Empfang, mit Ausflügen und Partys. „Der Höhepunkt eines jeden Treffens ist aber das Länderspiel“, betont Gerd Steenkamp vom Suddendorfer Orga-Team. Am Termin des sportlichen Duells wird seit der Premiere vor 40 Jahren nicht gerüttelt: Ostersonntag, nachmittags. „Die Engländer sind immer besonders ehrgeizig“, weiß Helmut Klang, doch SuSa hält meistens gut mit. Die Bilanz? „Es müsste ungefähr pari stehen“, meint der 2. Vorsitzende Ralf Schmidt, „so genau weiß das aber gar keiner.“ Eine Statistik gibt es wohl nicht, sagt Klang: „Hatte ja keiner geahnt, dass es mit den gegenseitigen Besuchen so lange geht.“

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Willkommen in der Grafschaft: Die Gäste aus Lodsworth lernen 1996 das Kloatscheetens kennen. Foto: privat

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Unter Freunden: Zu einem Besuch während der WM 2006 kam ein Quintett aus Lodsworth vorbei – und feierte das Fußballfest mit den Gastgebern in der Ziegenbrunnen-Arena. Foto: privat

Und besonders wichtig sind die Resultate sowieso nicht, denn auch auf dem Platz geht’s vor allem um Spaß. So gab es schon Spiele, in denen die Engländer mit bunten Kitteln bekleidet antraten. Und in Lodsworth ist ein reguläres Match eh kaum möglich. Das Spielfeld in einen Hang gebaut, eine Halbzeit geht es extrem bergauf, nach dem Seitenwechsel bergab. „Das ist sehr ungewöhnlich“, lacht Steenkamp, „aber vor zwei Jahren erst haben wir dort gewonnen, natürlich im Elfmeterschießen.“ Zum zweiten Mal hatten auch Frauen aus der Landesliga-Truppe des SV SuSa mitgespielt. Mit der Folge, dass die Engländer zunächst sogar ein bisschen beleidigt waren.

Nach dem Sieg 2014 steht der Wanderpokal wieder im SuSa-Vereinsheim. Die Trophäe hatten LFC-Präsident Tom Newell und seine mittlerweile verstorbene Ehefrau Wilma im Jahr 2008 gestiftet. „Die beiden sind von den Anfängen an die guten Seelen der Freundschaft zwischen den Vereinen“, betont SuSa-Vorstand Ralf Schmidt. Tom, mittlerweile 82 Jahre alt, hat noch kein einziges Treffen verpasst und ist auch dieses Jahr wieder in Suddendorf dabei – dann hoffentlich mit Klamotten. Denn dies ist eine der vielen schönen Anekdoten, die gerne in Suddendorf erzählt wird: Als der Präsident und seine Frau vor acht Jahren bei der Abfahrt im heimischen Lodsworth schlichtweg ihre Koffer vergessen hatten und das Paar in Suddendorf komplett neu eingekleidet werden musste.

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Ein Trikot der englischen Olympia-Mannschaft, das im SuSa-Vereinsheim hängt, zeigt Gerd Steenkamp. Foto: Konjer

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Schick gekleidet: Nach dem Länderspiel 2000 schlüpfen einige SuSa-Fußballer in die Kittel des englischen Gegners. Foto: privat

Trotz seiner deutschstämmigen Schwiegermutter Hermanda, trotz seiner vielen Besuche in der Grafschaft spricht Tom Newell weiterhin kaum Deutsch außer „Bitte“, „Danke“ und „Wunderbar“. So wie bei seinem Sohn Paul und Neffe Helmut in den 70-er Jahren werden sprachliche Barrieren aber stets umschifft. „Irgendwie versteht man sich“, berichtet Fred Ratering. Es ist wohl der Sport, der die gemeinsame Basis legt. Wie heißt es in der Chronik, die anlässlich des 50. Jubiläum des SV SuSa erschien, über die Beziehungen nach Lodsworth? „Wir haben alle etwas gemeinsam: Der Fußball ermöglicht solche Freundschaften.“

Da spielt es auch keine Rolle, dass kurz vor dem 21. gemeinsamen Oster-Wochenende ab Freitag doch noch eine Länderspiel-Statistik in Suddendorf auftaucht. Zumal die Bilanz tatsächlich ziemlich ausgeglichen ist: elf Mal gewann SuSa, neun Mal Lodsworth. Das passt.

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