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Ein besonderes Diplomatenkorps aus Osnabrück

deres Diplomatenkorps aus Osnabrück
Die Stadt Osnabrück und ihre jeweiligen Partnerstädte tauschen sogenannte Städtebotschafter aus. Erhan Kücük (links) und Yigit Gelir (rechts) sind Städtebotschafter in Canakkale (Türkei), Marie-Oceane Vignaud (zweite von links) und Leonie Schulte (zweite von rechts) sind Städtebotschafter in Anger (Frankreich) sowie Martijn Hoogeland (Mitte hinten) ist Städtebotschafter für Haarlem (Niederlande). Foto: Friso Gentsch/dpa

Osnabrück leistet sich seit 50 Jahren ein Diplomatenkorps der besonderen Art: Für ein Jahr werden junge Menschen als Städtebotschafter in die Partnerstädte geschickt.

Osnabrück. Botschafter sollen ihre Heimat in der Fremde vertreten. Was in der großen internationalen Politik funktioniert, könnte auch im Kleinen klappen, dachten sich vor gut 50 Jahren die Osnabrücker und riefen Mitte der 60er Jahre die Institution der Städtebotschafter ins Leben. Seitdem gehen junge Menschen aus Osnabrück für ein Jahr in eine Partnerkommune und vertreten dort ihre Stadt. 1964 schloss der Osnabrücker Rat Partnerschaftsverträge mit dem niederländischen Haarlem und dem französischen Angers. 1965 ging der erste Osnabrücker Städtebotschafter nach Angers, seit 1967 gibt es einen regelmäßigen Austausch zwischen Osnabrück und der westfranzösischen Stadt.

Die Idee war seinerzeit, zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg ein Signal der Aussöhnung zu senden. Die Folgen der Städtepartnerschaft spüre er bei jedem Besuch in den befreundeten Städten, sagt Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. „Wenn ich in unseren Partnerstädten bin, treffe ich jüngere und ältere Leute, die alle in Osnabrück waren, die Deutsch können, und die uns helfen.“

Bestehenden Kontakte pflegen und erhalten

In Osnabrück arbeiten fünf Städtebotschafter aus dem türkischen Çanakkale, Angers, Haarlem, dem englischen Derby und dem russischen Twer. Osnabrück selber hat Städtebotschafter nach Frankreich, die Türkei, England und Russland entsandt. Für Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren bedeute das eine Gelegenheit, ein Jahr im Ausland in einem vielfältigen Beruf zu verbringen, sagt der Leiter des Städtepartnerschaftsbüros, Jens Koopmann. Angestellt sind die Städtebotschafter für ein Jahr bei ihren Gaststädten.

Die Städtebotschafter sollen die bestehenden Kontakte pflegen und erhalten, aber auch neue Kontakte herstellen. Zu ihrem Aufgabenkatalog gehört unter anderem, Schulen, Jugendgruppen, Vereine oder Betriebe zu beraten, Bürgerreisen in die jeweilige Partnerstadt zu organisieren, Gäste zu empfangen und zu betreuen oder in die Schulen zu gehen und aus ihrer Heimat zu berichten. „Man kriegt das ganze Leben einer Stadt mit“, sagt Koopmann.

„Nach einem Jahr kennt man sich ein bisschen aus in der Stadt“, sagt Martijn Hoogeland, der im vergangenen Jahr von Haarlem nach Osnabrück gegangen war. Man sei eine Art „Mädchen für alles“, sagt der Städtebotschafter. „Ich habe Internationale Beziehungen studiert, und diese Stelle ist eine perfekte Chance zu sehen, wie das in der Praxis gemacht wird“, sagt der 26-Jährige.

Eine Städtefreundschaft hilft auch in kritschen Zeiten.“

Als frischgebackene Städtebotschafterin Osnabrücks ist Leonie Schulte im Herbst nach Angers gereist. „Ich hoffe, dass ich mein Französisch verbessern kann und dass ich Menschen begeistern kann, nach Osnabrück zu kommen“, sagt die 18-Jährige.

Viele Städte haben sich bereits für das Modell der Städtebotschafter interessiert, Nachahmer habe es in Deutschland bislang noch nicht gegeben, sagt Koopmann. Wahrscheinlich sei es eine Frage der Finanzen – immerhin bedeute es für eine Stadt, neue Stellen zu schaffen mit Sach- und Personalkosten. Trotz aller Sparzwänge sei in Osnabrück noch niemand auf die Idee gekommen, die Stellen der Städtebotschafter wegzukürzen.

Der Wert der Städtebotschafter zeige sich gerade auch im Augenblick, wo die außenpolitischen Verhältnisse zu Russland angespannt sind, sagt Griesert. „Eine Städtefreundschaft hilft, auch in kritischen Zeiten im Austausch zu bleiben.“ Geostrategische Überlegungen spielten im persönlichen Kontakt keine Rolle.

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