Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
rating rating rating rating rating

Ein Stadtkind aus Osnabrück lernt jetzt Landwirt

kind aus Osnabrück lernt jetzt Landwirt
Ein Hof wird weitergegeben. Landwirtschaft bleibt in der Familie. Nicht so bei Tim Minnerup. Er hat die Lehre zum Landwirt ohne eigenen Hof begonnen. Foto: Ebener

Ein Hof wird von Generation zu Generation weitergegeben. Nicht so bei Tim Minnerup. Der Osnabrücker hat früh seine Liebe zur Landwirtschaft entdeckt und hat als Stadtkind die Lehre zum Landwirt ohne Hof begonnen.

Osnabrück. Was fasziniert kleine Jungs? Bagger, Feuerwehrautos und Traktoren. Bei den meisten Stadtkindern verschwindet nach und nach das Interesse an den großen Maschinen – bei Tim Minnerup blieben die Traktoren. Vom analogen Spielzeug ging es mit zehn Jahren an den Computer. „Bereits seit 2008 spiele ich am liebsten einen Landwirtschaftssimulator. In meiner Freizeit habe ich gerne auf den Höfen in der Nachbarschaft ausgeholfen.“ Mit Unterstützung einer Berufsberaterin und nach weiteren Praktika stand der Entschluss zum Ende der Schulzeit schnell fest: Es kommt nur die Lehre zum Landwirt infrage.

Im August dieses Jahres begann Tim seine Lehre. „Ich bin jetzt auf dem Betrieb Johannes und Petra Konnemann in Hopsten-Halverde. Die haben knapp 180 Sauen im geschlossenen System, das heißt, sie erzeugen ihre Ferkel selbst und mästen vor Ort.“ Der Hof ist spezialisiert auf konventionelle Landwirtschaft: Neben der Sauenhaltung gibt es noch Getreidebau und Körnermais für das Tierfutter. Hier kommt Tims Begeisterung zum Tragen: der Umgang mit Tieren und speziell mit Schweinen.

Möglichst breite Praxiserfahrung soll gewährleistet werden

Die Ausbildung zum Landwirt erfolgt in einem dualen System: im Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule. Für die praktische Ausbildung müssen die Lehrlinge drei Höfe in drei Jahren durchlaufen. Früher wurde Nachwuchs der Landwirte für ein Jahr getauscht. Das sogenannte „Auswohnen“ war bis in die 60er-Jahre traditioneller Bestandteil der Ausbildung. Das Berufsbildungsgesetz von 1969 hat diese Regelung übernommen. Dadurch soll eine möglichst breite Praxiserfahrung gewährleistet werden. Viele Höfe bieten den Azubis auch heute noch an, direkt auf dem Hof zu wohnen. Tim macht davon Gebrauch und lebt derzeit auf dem Hof der Konnemanns.

In den Folgejahren lernt er dann Höfe mit Bullenhaltung und Fleckviehkälberaufzucht kennen. Aber der 17-Jährige weiß jetzt schon, dass seine Begeisterung der Sauenhaltung und Schweinemast gilt. Im Stall kommt Tims Leidenschaft für den Beruf richtig durch. Seine Augen leuchten, wenn sich der 17-Jährige im Abferkel-Stall um die kleinen Ferkel kümmert. „Das macht hier alles sehr viel Spaß“, bestätigt Tim. „Ich fühle mich sehr wohl.“

„Trotz fehlenden familiären Hintergrunds bringt Tim viel praktische Erfahrung mit“, meint auch sein Chef Johannes Konnemann, der bereits seit zehn Jahren Landwirte auf dem Familienhof ausbildet. „Tim ist fleißig und zuverlässig“, sagt auch Gerhard Konnemann, der Vater von Johannes Konnemann. Die Familie ist bereits seit vier Generationen in der Landwirtschaft tätig.

Alternativ steht ihm der Betriebshilfsdienst Saerbeck offen

Nach der Lehre zum Landwirt hat Tim verschiedene Möglichkeiten: Abhängig von der schulischen Leistung während der Ausbildung, kann er nach einem Praxisjahr noch zwei Jahre die „Höhere Landbauschule“ besuchen und hier staatlich geprüfter Landwirtschaftsbetriebswirt oder „Bachelor Professional“ werden. Alternativ steht ihm auch der Betriebshilfsdienst Saerbeck offen. Hier sind circa 50 Landwirte angestellt und helfen den Landwirten in der Region unter anderem im Krankheitsfall und anderen Not- und Sondersituationen.

Laut der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen sind die Aussichten für Landwirte aktuell sehr gut. „Es gibt keine arbeitslosen Landwirte“, erzählt der zuständige Ausbildungsberater für den Bereich Warendorf, Münster, Steinfurt, Burkhard Schulte-Bories. Zwar gibt es immer weniger Familienbetriebe, aber die Höfe wachsen. Daher haben die Höfe oftmals ein oder mehrere Angestellte.

Die Zahlen der Azubis steigen laut Schulte-Bories stetig. Haben 2014 1092 zukünftige Landwirte ihre Ausbildung begonnen, waren es dieses Jahr schon 1111 Azubis – Tendenz seit 15 Jahren steigend. Auch die Lehre ohne eigenen Hof ist längst keine Seltenheit mehr. Laut Schulte-Bories haben 50 Prozent aller Azubis heute keinen eigenen Familienhof.

Seine Freunde, mit denen sich Tim immer noch regelmäßig trifft, waren von seiner Entscheidung, Landwirt zu werden, nicht sonderlich überrascht. „Sie kennen mich ja nicht anders“, meint Tim. Man trifft sich immer noch regelmäßig zum „Chillen“. Für sein Hobby Fußballspielen und das Trainieren von Jugendmannschaften bleibt allerdings wenig Zeit. Auch den Landwirtschaftssimulator spielt Tim mittlerweile immer seltener. „Ich bin lieber draußen in der Natur“, sagt Tim mit einem Blitzen in den Augen.

Karte

Diesen Artikel

bewerten

rating rating rating rating rating

weitersagen

  • Twitter
  • Facebook
Artikel versenden

sichern

Drucken

empfehlen

Die Meinung unserer Leser

0 Leserkommentare


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Mehr aus diesem Ressort

Neuer Zoo in Emmen ist erfolgreich

 in Emmen ist erfolgreich

Den millionsten Besucher seit der Eröffnung im März konnte jetzt der „Wildlands Adventure Zoo“ in der niederländischen Stadt Emmen begrüßen. König Willem Alexander hatte den 22 Hektar großen Themenpark eröffnet. mehr...

Osnabrück-Halle ist jetzt runderneuert

-Halle ist jetzt runderneuert

Mit einer für 30,7 Millionen Euro runderneuerten Stadthalle will sich Osnabrück unter Deutschlands besten Kongress- und Veranstaltungszentren behaupten. Seit Sonntag steht die Osnabrück-Halle zur Verfügung. mehr...

Auch im Emsland Unstimmigkeiten bei Auszählung

msland Unstimmigkeiten bei Auszählung

Nicht nur in Nordhorn musste das Ratswahlergebnis vom 11. September nachträglich korrigiert werden. Auch im Emsland gab es Unstimmigkeiten. Bei einem Kandidaten wurden die Stimmzettel gezählt und nicht die Stimmen. mehr...

Neueste Top-Themen
Neueste
Heute meistgelesen
Heute gelesen
Soziale Netzwerke
  • GN-Online bei Facebook
  • GN-Online bei Twitter
  • GN-online bei google plus
Umfrage

Wiedervereinigung: Sind Westdeutschland und die ehemalige DDR wirklich wiedervereint?

Ja, im Großen und Ganzen schon.
Nein, es gibt immer noch deutliche Unterschiede zwischen Ost und West.
Weiß ich nicht.
453 abgegebene Stimmen
E-Paper
  • GN-App im Apple-Store
  • GN-E-Paper als html5-Version
  • GN-App im Google-Play-Store
Jugendmagazin
Neueste