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Ein Freispruch zweiter Klasse

Landgericht glaubt an Misshandlungen, findet aber nicht genug Beweise

pruch zweiter Klasse
Das Landgericht Osnabrück hat einen 34-jährigen Polen von allen Vorwürfen freigesprochen. Dem Angeklagten konnten die Taten nicht nachgewiesen werden.

Das Landgericht hat einen 34-jährigen Polen von dem Vorwurf freigesprochen, seine Freundin in den Jahren 2009 und 2010 geschlagen, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen zu haben. Von der Unschuld überzeugt ist die Kammer jedoch nicht.

Osnabrück/Nordhorn. „Es ist einfach kein hinreichender Tatverdacht da, den man überprüfen könnte“, erklärte die Vorsitzende Richterin Annegret Quere-Degener am Mittwochnachmittag in der Urteilsbegründung. Die Aussagen der Zeugen und die vorgelegten Beweise reichten nicht aus, um dem Angeklagten die Vorwürfe nachzuweisen. „Was im Einzelnen passiert ist, ist nicht bekannt“, sagte sie am Ende des fünftägigen Prozesses.

Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp hatte den 34-jährigen Polen angeklagt, weil er seine Freundin von Juli 2009 bis Oktober 2010 elf Mal vergewaltigt und misshandelt haben soll. Außerdem soll er sie dazu gezwungen haben, als Prostituierte zu arbeiten – unter anderem in einem Bordell in Nordhorn. Die Frau, die 2006 als 19-Jährige zunächst im Einvernehmen mit ihrem Lebensgefährten anschaffen ging, trennte sich im Oktober 2010 von ihm und zeigte ihn im Februar 2011 an.

Wann und wo ist was passiert?

Die heute 27-Jährige sagte vor Gericht zwei Mal aus. Sie schilderte aber keine genauen Abläufe und tat sich vor der 18. Großen Strafkammer schwer damit, Zeit und Ort der Taten anzugeben. „Für eine Verurteilung ist es jedoch notwendig festzustellen, was wann wo passiert ist“, erklärte die Richterin. Gleichwohl sei die Kammer durchaus der Ansicht, dass es zu Misshandlungen gekommen ist. Darauf deuteten die Schilderungen der früheren Prostituierten hin und auch die Aussagen der Nachbarn und Bekannten, die dem Angeklagten ein impulsives Verhalten bescheinigten.

„Wem soll man glauben? Es ist schwierig“, hatte Oberstaatsanwalt Feldkamp vor der Urteilsverkündung in seinem Plädoyer festgestellt. Er bemängelte ebenfalls, dass es keine objektiven Schilderungen gebe. Dass die 27-Jährige in allen Vernehmungen die Vorwürfe gleichlautend wiederholt habe, spreche jedoch für die Frau. „Ich glaube ihr, und ich bin erschüttert davon, wie Sie sie behandelt haben“, rief Feldkamp dem Angeklagten zu. Er räumte aber ein, dass es nicht genügend Anhaltspunkte für eine Verurteilung gebe und dass die Anklage mit Mängeln behaftet gewesen sei. Daher gebe es nur eine Möglichkeit: den 34-Jährigen freisprechen. Er müsse zudem eine staatliche Entschädigung erhalten, weil er von März bis Juni 2011 in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Birte Wolken-Lammers, die die 27-Jährige als Anwältin in der Nebenklage vertrat, war sich in ihrem Plädoyer sicher, dass die Vorwürfe berechtigt sind. Daher sei der Angeklagte zu verurteilen. Zur Höhe der Strafe stellte sie keine Forderungen.

„Ich bin kein Monster“

Dass ein Urteil nicht auf einer „allgemeinen Aussage“ beruhen könne, sagte auch Anwalt Robert Koop, der Verteidiger des 34-Jährigen. Seiner Meinung nach hat die 27-Jährige während der Verhandlung keine „persönliche Betroffenheit“ gezeigt. Zu ihrer Arbeit in dem Bordell in Nordhorn meinte Koop: „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine misshandelte Frau dort arbeiten und viel Geld verdienen kann.“ Das jedoch hatte die Nebenklägerin der Kammer ausführlich geschildert. Koop forderte ebenfalls einen Freispruch und eine Entschädigung. Dem folgte die Kammer.

Das letzte Wort vor der Urteilsverkündung hatte – wie üblich – der 34-Jährige. Er beteuerte noch einmal wortreich seine Unschuld und sagte: „Ich bin kein Monster.“

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