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Dust schlichtet Streit mit „Menschenverstand“

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Für 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit als Schiedsmann bedankten sich bei Clemens Dust (vorne Mitte) und seiner Frau Edeltraut (von hinten rechts) Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling, der stellvertretende Direktor des Amtsgerichts Nordhorn Torsten Rieger, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes Stephan Semper und der Geschäftsführer der Bezirksvereinigung Osnabrück des BDS, Axel Gruczyk. Foto: Stadt Nordhorn

Sie sollen kleinere Streitigkeiten schlichten, bevor es zum Rechtsstreit kommt: die ehrenamtlichen Schiedsleute. Der Nordhorner Clemens Dust übt diese Aufgabe schon 25 Jahre lang aus. Dafür wurde er geehrt.

gn Nordhorn. Seit 25 Jahren ist der Nordhorner Clemens Dust als Schiedsmann in der Kreisstadt tätig. Dazu gratulierte ihm Bürgermeister Thomas Berling kürzlich im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Rathaus. Der stellvertretende Direktor des Amtsgerichts Nordhorn, Torsten Rieger, überreichte Dust anlässlich des Jubiläums eine von der niedersächsischen Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz unterzeichnete Ehrenurkunde.

Insbesondere bei Nachbarschaftsstreitigkeiten kommen Schiedsleute wie Clemens Dust zum Einsatz: „Mal geht es um zu hohe Hecken, mal um nächtlichen Lärm und mal um Haustiere“, berichtet Dust. „Die Streitpunkte sind seit 25 Jahren ähnlich, aber die Menschen sind immer anders. Darum wird es auch nie langweilig.“ Etwa zehn bis 15 Fälle behandelt Dust pro Jahr. Rund drei Viertel davon kann er erfolgreich, das heißt mit einer außergerichtlichen Einigung zum Abschluss bringen.

In Nordhorn sind derzeit zwei Schiedsmänner tätig

Das Schiedsamt kann in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten und in sogenannten „kleinen“ Strafsachen angerufen werden. Dazu zählen zum Beispiel Auseinandersetzungen um Geldforderungen mit dem Kaufmann oder Handwerker in der Nachbarschaft, aber auch Fälle von Hausfriedensbruch, Beleidigung oder Sachbeschädigung. In vielen nachbarschaftsrechtlichen Streitigkeiten ist der Gang zu den Schiedsleuten seit einigen Jahren sogar rechtlich vorgeschrieben, bevor überhaupt Klage vor Gericht eingereicht werden kann. In Nordhorn sind zurzeit insgesamt zwei Schiedsmänner tätig.

Die Streitenden werden in der Regel von der Polizei, dem städtischen Ordnungsamt, dem Amtsgericht und der Staatsanwaltschaft an Dust verwiesen. Vereinzelt werden sie auch selbst auf das Angebot aufmerksam, zum Beispiel über das Internet. Insgesamt seien die Fallzahlen aber in den vergangenen Jahren zurückgegangen: „Viele wissen leider gar nicht, dass es das Schiedsamt gibt und dass sie auch selber auf uns zukommen können. Dabei ist ein Schiedsverfahren viel günstiger als ein Gerichtsverfahren, und die Ergebnisse sind für die streitenden Parteien oft hilfreicher“, so Dust.

Der Nordhorner Schiedsmann macht seine ehrenamtliche Arbeit gerne. Aus seiner beruflichen Vergangenheit als Arbeitsrechtler beim Katholischen Arbeitnehmerbund KAB ist Dust den Umgang mit rechtlichen Fragen gewohnt. Beim Schiedsamt gehe es aber oft gar nicht so sehr um Gesetze und Paragrafen: „Der gesunde Menschenverstand ist dabei das wichtigste“, sagt Dust.

„Nicht immer läuft alles so rund.“

Die vertraulichen Gespräche mit den Streitparteien führt er in seinem privaten Wohnzimmer. „Die Sprachlosigkeit der Leute ist oft der größte Streitgrund. Hat man sie erstmal an einem Tisch und lässt beide Seiten ihre Sicht der Dinge schildern, sind viele Probleme plötzlich viel kleiner als vorher“, weiß er aus Erfahrung.

Auch über Nordhorn hinaus engagiert sich Dust im Bereich Schiedsleute: Seit 2007 ist er Vorsitzender der Bezirksvereinigung Osnabrück des Bundes deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS). Die Interessensvertretung kümmert sich unter anderem um Aus- und Fortbildungsangebote und hilft weiter, wenn es beispielsweise zwischen Schiedsleuten und Institutionen hakt: „Mit der Stadt Nordhorn haben wir ein tolles Miteinander, aber nicht immer läuft alles so rund“, sagt Dust. Daher sei es gut, dass die über 100 Schiedsleute in 48 Gemeinden im Bezirk den BDS als gemeinsames Sprachrohr hätten.

Dusts Motivation für die ehrenamtliche Schiedsarbeit ist vor allem die Verbesserung des Zusammenlebens in der Stadt. So werde in den vergangenen Monaten zum Beispiel viel über die Integration von Flüchtlingen in bestehende Nachbarschaften gesprochen. „Damit sowas klappt, müssen die Nachbarschaften aber auch funktionieren“, sagt er. Durch ungelöste Streitereien oder Nachbarn, die sich nach einem Gerichtsverfahren für den Rest des Lebens aus dem Weg gehen, werde das nachbarschaftliche Zusammenleben belastet.

Für die Zukunft wünscht Dust sich daher, dass die Menschen wieder mehr miteinander sprechen: „Viele Probleme müssen gar nicht erst zu Streitereien werden. Wenn es dann doch zu spät ist, stehen wir Schiedsleute bereit.“

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