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„Dorfgemeinschaft 2.0“ in der engeren Wahl

Grafschafter Modellprojekt im „Recall“ – 101 Bewerber sind raus

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„Dorfgemeinschaft 2.0“: Das Grafschafter Modellprojekt in der Übersicht.
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  • „Dorfgemeinschaft 2.0“: Das Grafschafter Modellprojekt in der Übersicht.
  • Fahrradtraining der Verkehrswacht für Senioren auf dem FC 09-Gelände in Schüttorf. Sicher ist: In einigen Jahren wird auch in der Grafschaft die Anzahl mobiler Senioren steigen. Viele von ihnen sind mit ihren E-Bikes besonders flott, weshalb Schulungen durchaus sinnvoll erscheinen.

Mit dem Projekt „Dorfgemeinschaft 2.0“ hat sich der Verein „Gesundheitsregion Euregio“ ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Die Grafschaft soll mit konkreten Schritten auf den demografischen Wandel vorbereitet werden.

Nordhorn. Die erste Stufe ist geschafft. In den vergangenen Monaten hat der Verein „Gesundheitsregion Euregio“ sich mächtig ins Zeug gelegt, um sich mit „Dorfgemeinschaft 2.0“ auf Bundesebene Gehör zu verschaffen. Ziel ist es, zu den fünf Modellprojekten zu gehören, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Namen „Innovationen für Kommunen und Regionen im demografischen Wandel (InnovaKomm)“ mit jeweils fünf Millionen Euro – verteilt auf fünf Jahre – fördert. Es geht darum, einer zunehmenden Anzahl alter Menschen zu ermöglichen, möglichst lange selbstbestimmt und selbständig zu leben. Auf dem Lande, wo viele Einrichtungen oft Kilometer weit entfernt liegen, ist das eine Herausforderung.

121 Teilnehmer sind mit eigenen Modellkonzepten beim Ministerium vorstellig geworden. Dazu gehören auch Universitäten und größere Kommunen. Der Verein „Gesundheitsregion“ hat nun den ersten Schritt geschafft und ist in den engeren Kreis der Bewerber aufgenommen worden. Jetzt gilt es „nur noch“, sich in der Reihe von 20 Bewerbern um fünf Förderplätze zu behaupten. „Wir sind sozusagen im Recall“, freuen sich der Geschäftsführer der „Gesundheitsregion“, Thomas Nerlinger, Vorsitzender Dr. Arno Schumacher und Professor Dr. Ingmar Ickerott, Professor für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Logistikmanagement an der Universität Osnabrück in Lingen. Das Trio gehört zum Lenkungsgremium der „Dorfgemeinschaft 2.0“ und hat sich nach dem positiven Bescheid aus dem Bundesministerium vom 7. August am vergangenen Donnerstag kurzfristig in Nordhorn getroffen. Nerlinger hat dafür eigens seinen Küstenurlaub unterbrochen.

40 Partner beteiligt

„Wie schaffen wir es, der Bedarfslage des demografischen Wandels entsprechende Lösungen anzubieten?“ – So lautet die Kardinalfrage für die Macher der „Dorfgemeinschaft 2.0“. Die „Macher“, das sind neben Nerlinger, Ickerott und Schumacher, die sich ehrenamtlich dem Projekt verschrieben haben, rund 40 weitere Akteure oder Partner, darunter das Unternehmen Siemens mit technischer Innovation im Blickfeld, die Bentheimer Eisenbahn (Mobilität), die DAK (Pflege), Architekten und Bauunternehmer, die Freiwilligenagentur, das Grafschafter Ärztenetz (mobile Therapeutik), der Landkreis, die Hochschule Osnabrück – Campus Lingen – für die wissenschaftliche Begleitung und viele andere Partner aus den Bereichen IT, Diagnostik, Altenpflege und mehr. „Nicht viele Bewerber konnten so viele Projektpartner vorweisen“, so Schumacher. Deren Einsatz ist jetzt gefordert. Es reicht nicht, auf dem Papier dabei zu sein. Das Ministerium will konkrete Pläne sehen. „Jetzt brauchen wir Mitstreiter für jeden Unterbereich“, so Schumacher. Koordiniert werden die Anträge im Lenkungsgremium.

Worum es geht, verdeutlicht die abgebildete Skizze „Dorfgemeinschaft 2.0“. Obwohl der Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen – noch – eine Sonderstellung einnimmt, weil es im Landkreis mehr Jugendliche und Kinder unter 15 Jahren gibt als ältere Menschen über 65, steht der demografische Wandel vor der Tür. Der Anteil der über 80-Jährigen wird zunehmen, während der Anteil der unter 18-Jährigen abnehmen wird. Im Jahr 2030 wird sich dann die Überalterung der Bevölkerung schon recht stark bemerkbar machen: Zu dieser Zeit werden etwa 50 Prozent der Grafschafter älter als 45 Jahre sein. Das geht aus offiziellen Erhebungen des Landkreises hervor. Viele alte Menschen wollen, so die Erkenntnisse der „Gesundheitsregion“, jedoch möglichst nicht in ein Heim. Fachleute gehen davon aus, dass auch in Zukunft etliche Pflegeplätze in stationären Senioreneinrichtungen und auch im Betreuten Wohnen leer stehen bleiben. Die Menschen wollen auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

„Das erfordert Unterstützung in der Mobilität und für mobile Versorgungsangebote, zum Beispiel Nahversorgung vor Ort. Es besteht Interesse an Einrichtungen des alltäglichen Lebens für Kommunikation, soziale Begegnung und Solidarität“, heißt es in der Begründung zu dem Grafschafter Projekt. Damit ein altersgerechtes Wohnen gelingt, gilt es Voraussetzungen zu schaffen: beispielsweise durch Beratungsangebote für eine Anpassung der Eigenheime. Ambulante Pflegedienste stehen vor zusätzlichen Herausforderungen, Hausmeisterdienste, Bürgerbusse und ähnliche Angebote werden vermehrt gebraucht.

Nach dem Konzept der „Dorfgemeinschaft 2.0“ soll daher ein Netzwerk an Betreuungsangeboten geschaffen werden, von denen der Einzelne so viel wie nötig, nach seinen Wünschen in Anspruch nehmen kann.

Im virtuellen Dorf

Als Zentrum der „Dorfgemeinschaft“ soll ein bestehendes (also reales) Gebäude dienen, ein „Haus mit Integrationskraft“ als Zentrum. Darum herum gruppiert sind „virtuelle Häuser“ (siehe Grafik). Im „Haus der Pflege“ werden Hausbesuche von Beratern organisiert, ein Hygienemanagement oder auch das Fallmanagement (welche Hilfen brauchen einzelne Menschen) erstellt.

  • Im „Haus der täglichen Versorgung“ geht es um Hilfen im Alltag wie „Essen auf Rädern“, Hilfen im Haus oder auch den „Milchmann 2.0“.
  • Das „Haus der Mobilität“ vereint Busangebote mit Mitfahrzentralen bis hin zur Umzugshilfe.
  • Im „Haus der mobilen Diagnostik“ geht es um die „Rollende Apotheke“ oder auch die Praxis auf Rädern oder den Krankenpfleger, der im Praxismobil zum Patienten kommt.
  • Im „Haus der Information“ werden Fragen zu Behördengängen beantwortet, Angehörige und Patienten beraten, und es gibt auch Medienschulungen.
  • Im „Haus der Nachbarn“ wird die generationenübergreifende Nachbarschaftshilfe organisiert und koordiniert und im
  • „Haus der Familie & Freunde“ geht es um die vielen Kontakte, die das Leben erst lebenswert machen.

Ingmar Ickerott möchte die Vorstellungen der Grafschafter durch eine Befragung „50 Plus“ ermitteln, denn zum Modellprojekt gehört auch die Forschung.

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