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„Die Kirche hat ein Zeichen gesetzt“

Erstes lesbisches Paar gibt sich in Schüttorfer Kirche das Ja-Wort

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Ja-Wort in der Kirche: Pastor ter Horst segnet Heike Rott-Züwerink (rechts) und Karina Züwerink.

Als erstes lesbisches Paar haben Karina Züwerink und Heike Rott-Züwerink in Schüttorf einen Segensgottesdienst gefeiert. Bevor sie sich allerdings das Ja-Wort geben durften, mussten die Kirchengremien grünes Licht geben.

Schüttorf. Sie haben sie gefunden: die große Liebe. Und diese haben sich Heike Rott-Züwerink und Karina Züwerink offiziell besiegeln lassen – und zwar nicht nur im Standesamt, sondern auch in der Kirche. Als erste homosexuelle Frauen haben die beiden am vergangenen Sonnabend in der evangelisch-reformierten Kirche in Schüttorf einen Segensgottesdienst zur Lebensgemeinschaft gefeiert. „Wir finden es wichtig, Gottes Segen zu erhalten, damit wir wissen, dass wir den richtigen Weg gehen“, sagt das Paar und fügt hinzu: „Jetzt wollen wir anderen homosexuellen Pärchen Mut machen, den gleichen Schritt zu wagen.“

Ob sie den richtigen Weg gehen, daran haben die beiden Frauen manchmal mächtig gezweifelt. Zu viele Steine wurden ihrer Partnerschaft in den Weg gelegt – von Arbeitskollegen, Freunden und sogar von Familienmitgliedern. „Homosexualität ist vor allem im ländlichen Gebiet noch immer ein Tabu-Thema. Manche sehen es als krankhaft an“, berichten die Zwei aus Erfahrung. Hier ein Tuscheln, da ein schiefer Blick, einige distanzieren sich sogar ganz, sobald sie von der gleichgeschlechtlichen Liebe erfahren. „Wir haben oft das Gefühl, uns schämen zu müssen – aber für was eigentlich? Warum müssen wir uns für unsere Liebe rechtfertigen?“, fragt Heike Rott-Züwerink mit großen Augen.

Die 35-jährige Quendorferin und ihre 30 Jahre alte Partnerin aus Bathorn haben sich vor rund sieben Jahren erst kennen- und dann lieben gelernt. Offen konnten und wollten sie ihre Liebe aber nicht immer zeigen – aus Angst vor Anfeindungen. Ein Stück dieser Angst konnten ihnen Mitglieder des Vereins „Landlust – Lesben und Schwule für Toleranz auf dem Land“ aus Meppen und der Grafschafter Aidshilfe nehmen. „Im Gespräch wurde uns klar: Wir sind glücklich und das muss auch so sein. Punkt“, berichten die Grafschafterinnen.

Pastor war sofort begeistert

Irgendwann fasste das Paar den Entschluss, sich ganz offiziell zu seiner Liebe zu bekennen: Die Frauen wollen heiraten – standesamtlich und kirchlich. Die standesamtliche Verpartnerung – wie es laut Gesetzgeber heißt – feierten die Grafschafterinnen, die seit einigen Jahren in Nordhorn leben, allein auf Juist. Das Ja-Wort in der Kirche wollten sie sich in Schüttorf geben, da Heike Rott-Züwerink mit der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde immer eng verbunden war. Doch Homosexualität und Kirche – das passt nicht immer gut zusammen. So dachten zumindest Heike Rott-Züwerink und Karina Züwerink und hatten schon mit einer Absage gerechnet, als sie beim Schüttorfer Pastor Dr. Karl-Wilhelm ter Horst nach einem Segnungsgottesdienst fragten. Der Pastor war jedoch sofort begeistert. Allerdings mussten Kirchenrat und Gemeindevertretung ihr Einverständnis geben. Während einer gemeinsamen Sitzung am 21. Februar 2013 hatte Pastorin Heidrun Oltmanns deutlich gemacht, dass es aus biblischer Sicht keine Begründung gebe, eine Segnung abzulehnen. Das Abstimmungsergebnis in Kirchenrat und Gemeindevertretung war schließlich eindeutig: 36 Mitglieder waren dafür, zwei dagegen, schreibt der Kirchenratsvorsitzende der Schüttorfer Kirchengemeinde, Norbert Nordholt, in einer Ausgabe des Gemeindegrußes. „Wir hatten Freudentränen in den Augen“, schildern die Frauen den Moment, als sie von dem Ergebnis erfuhren.

Am Sonnabend war es so weit: Das Paar stand in weißen Brautkleidern in der Kirche und erhielt den Segen für ihre Lebensgemeinschaft. Die Reaktionen auf den Gottesdienst seien zumeist sehr positiv gewesen, berichten die Frauen. Sogar eine Bekannte sei den Bräuten zuliebe zum Gottesdienst gekommen, obwohl sie die Entscheidung des Kirchenrates nicht akzeptieren könne.

„Alles, was von Herzen kommt, ist gut“

„Die beiden haben etwas Mutiges gemacht“, sagt Pastor ter Horst einige Tage nach dem Segensgottesdienst im Gespräch mit den GN . Er habe kein Problem damit gehabt, die Frauen zu segnen. Auch in der Kirchengemeinde habe es nur einen minimalen Konflikt gegeben – das habe er nicht erwartet. Seiner Meinung nach ist es immer segensreich, wenn zwei Menschen zusammen sind. „Alles, was von Herzen kommt, ist gut“, meint Pastor ter Horst. Gott sei die Liebe und als einer seiner Boten sei es seine Pflicht, diesen göttlichen Segen weiterzugeben.

Anlässlich der Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren fordert allerdings der ehemalige Präses der evangelisch-reformierten Kirche Heinrich Frese in einem Brief, dass sich Segensgottesdienste und Trauungen zwischen Mann und Frau klar voneinander unterscheiden sollen. Den Brief hat er unter anderem an den Synodalverband Grafschaft Bentheim adressiert. Die verschiedenen Gemeinden sollten den Ablauf der Segnung miteinander abstimmen. „Nicht jede Gemeinde soll ihren eigenen Weg gehen. Der Unterschied soll erkennbar sein“, sagt der pensionierte Pastor den GN. Frese fügt hinzu, dass es jedem Pastor selbst überlassen sei, ein homosexuelles Paar nicht zu segnen – auch wenn die Gemeinde dies beschlossen habe.

Karina Züwerink und Heike Rott-Züwerink freuen sich derweil, dass die Schüttorfer Gemeinde ihr Anliegen akzeptiert habe: „Die Kirche hat ein Zeichen gesetzt. Wir fühlen uns jetzt freier und sind ein Stück glücklicher.“ Die Tür der Kirche verschließe sich nicht vor Homosexuellen. Dennoch müsse sie sich für die gleichgeschlechtliche Liebe noch weiter öffnen, fordert das Paar.

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Die Meinung unserer Leser

2 Leserkommentare

1. | Pilger Hannes | Donnerstag, 05.06.2014 | 10:21 Uhr

Wird da nicht einiges verwechselt? Immer wieder fällt mir auf, dass sich anders orientierte Paare ausgeschlossen fühlen. Dahinter stände die Kirche (und womöglich Gott). Nun versuchen manche in der Kirche, etwas zurecht zu rücken (Zeichen setzen) und aus lauter Liebe, solche Lebenspartnerschaften zu segnen, als Ausdruck wir (und Gott) lieben euch. Richtig und falsch! Zu zeigen, dass jeder Mensch geliebt wird, egal wie andersartig, abgesondert ... er / sie ist (sind wir doch alle), dass ist wohl dran, jederzeit (zumindest seit 2000 Jahren, der Offenlegung Gottes Liebesbeweises). Da hat es auch in der Kirche viele Verfehlungen gegeben und da werden wir bis heute schuldig. So zu tun, Gott findet es als gute Ordnung (biblisch fundiert) eine andersartige Ehe zu segnen ... - da haben wir wohl was falsch verstanden. Nicht dass Gott unser Pläne (unsere Wünsche, unser Verlangen) durchkreuze, nein, nein, Er kennt sich da doch viel besser aus, was unser Bedürfnis betrifft. Er will, das wir leben

2. | Mann Mann Frau Frau | Donnerstag, 05.06.2014 | 11:32 Uhr

Kann sein das im Artikel Homosexuelle und Lesbische beziehungen verwechselt wurden oder bringe ich da was durch einander? Na ja ist ja ja auch das erste mal kann passieren!


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