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Deutliche Worte zum Matthiasstift

Der parteilose Jürgen Menger will Bürgermeister in Wietmarschen werden

 Worte zum Matthiasstift
Tatkräftig wie der Urbrecker will Jürgen Menger im Amt des Wietmarscher Bürgermeisters sein.

Für sein GN-Porträt lässt sich der Lohner Jürgen Menger gern beim Urbrecker-Denkmal in Wietmarschen ablichten. Tatkraft und Willensstärke will er zum Ausdruck bringen. Zugleich wirft er Worte mit Sprengkraft in die Diskussion um das Matthiasstift.

Lohne. Er ist ein Mann mit Ecken und Kanten, der gern eine klare Ansage macht. Zugleich versucht er, sich vor Sturheit zu hüten. „Der große Diplomat bin ich nicht“, räumt Jürger Menger nach einem langen Gespräch ein. Er kennt sich aber aus in dem das Gemeindeleben prägenden „Wer, wann, mit wem und wo“ die Strippen zieht. Einer Partei gehört der Südlohner nicht an.

Im Kurz-Porträt steht vor allem Folgendes: Geboren am 8. August 1964, aufgewachsen im Kreise von fünf älteren Geschwistern, seit 1988 verheiratet mit Ehefrau Dorothea und Vater fünf erwachsener Kinder. Nach dem Studium der Sozialarbeit in Münster geht es 1988 zum Anerkennungsjahr in die Justizvollzugsanstalt Lingen und von 1989 bis 2005 zur ersten beruflichen Station beim Verein „Die Brücke“ zur Nachsorge psychisch kranker Menschen. Seit 2005 arbeitet Menger als gesetzlicher Betreuer von Menschen beim Sozialdienst katholischer Männer (SKM) in Nordhorn.

Persönlicher betroffen als viele wissen ist Jürgen Menger in der Diskussion um die Misere des Matthiasstifts in Wietmarschen. Gemeinsam mit seiner Frau Dorothea, die seit 2008 den Lohner Pflegedienst betreibt, wollte er im Jahr 2007 das Matthiasdomizil in Lohne betreiben. „Unser Konzept als Betreiber des Hauses in Lohne sah eine Mischung aus betreutem Wohnen, Pflegeheimplätzen und einer Tagespflege vor. Das hatte die Investoren Klaas und Krämer und auch Pastor Trimpe voll überzeugt: ein christlich geführtes Heim in Form einer gemeinnützigen GmbH. Meine Frau wollte die Heimleitung übernehmen. Die Sozialstation Lohne/Wietmarschen war für die Tagespflege vorgesehen. Die Verhandlungen mit den Investoren und dem Landkreis bezüglich der Heimpflegesätze waren so gut wie abgeschlossen. Warum es im Oktober 2007 zur völlig überraschenden Wende bei der Heimvergabe kam, müssen andere beantworten.“ Bekanntlich wurde das Domizil vom Stift in Wietmarschen betrieben, das auch eine Mietausfallbürgschaft übernommen hatte. Beide Häuser standen dann unter anderem deswegen 2009 vor dem Aus. Hätten sie 2007 die Trägerschaft für das Domizil übernommen, da ist sich Menger sicher: „Das Matthiasstift stünde derzeit nicht vor der unmittelbaren Schließung.“ Starke Worte zu einem Vorgang, der bis heute nachwirkt.

Keine Scheu vor Verantwortung und Arbeit haben Jürgen und Dorothea Menger nach eigenem Bekunden. Bereits während des Studiums haben sie eine Familie gegründet und die ersten zwei ihrer fünf Kinder bekommen. „Dem lieben Gott dankbar“ sind beide, dass es den Kindern gut geht und sie selbst im vergangenen Jahr Silberhochzeit feiern durften.

Einen kantigen Kopf trägt Jürgen Menger über seinem groß gewachsenen Körper. Auch hinter der hohen Stirn gibt es Ecken und Kanten. Als er nach seinem Engagement als Fußball-Obmann beim SV Union Lohne nach Auseinandersetzungen im Vorstand im Jahr 2010 abgewählt wird und er „erhobenen Hauptes“ geht, engagiert er sich seitdem in gleicher Funktion beim SV Vorwärts Nordhorn. „Tolle Erfahrungen“ hat er bei Vorwärts gemacht, betont er beim Gespräch in seinem Wohnzimmer, erklärt aber auch: „Union Lohne ist und bleibt mein Heimatverein.“ Schließlich gehört Vater Wilhelm zu den Vereinsgründern.

Im Ehrenamt kennt sich Jürgen Menger aus. In der kirchlichen Jugendarbeit und in der Organisation des Lohner Open Airs hat er sich ebenso engagiert wie als Messdiener in der katholischen Kirche. Er war bis 2005 Vorsitzender des SKM Nordhorn und bis 2012 Mitglied im Bistumsvorstand der Diözese Osnabrück. Derzeit vertritt er den SKM Bistumsverein auf der Bundesvertreterversammlung und ist Mitglied im erweiterten Vorstand des Kolpinghauses Nordhorn. In der Stärkung ehrenamtlichen Potenzials sieht Menger in der Gemeinde Wietmarschen noch Potenzial, das zu heben ist.

Warum Bürgermeister? Jürgen Menger verweist auf seine beruflichen Erfahrungen im Umgang mit Menschen und der Zusammenarbeit mit vielen Verwaltungen. Natürlich haben ihm die positiven Rückmeldungen aus seinem Umfeld geschmeichelt. Er schließt daraus: Man traut es ihm zu. Doch Jürgen Menger traut es sich auch so zu. „Ich treffe jeden Tag Entscheidungen und organisiere das Leben anderer“, sagt er zu seinem beruflichen Wirken. „Das Leben besteht aus Herausforderungen“, ist bei Mengers Internet-Auftritt zu lesen. Daher will er sich der Herausforderung des Bürgermeisteramtes stellen. „Ich weiß, dass ich Menschen überzeugen und begeistern kann“, ist sich Jürgen Menger sicher. Sagt es und eilt zum Vorwärts-Spiel, dessen erste Halbzeit er beim GN-Gespräch verpasst hat.

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