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Bewährungsstrafe für Kinderporno-Besitzer

Computer-Experten der Kripo überführen Nordhorner Familienvater

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Blick in einen Gerichtssaal im Amtsgericht Nordhorn (Symbolfoto).

Beim Fortsetzungstermin der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Nordhorn ist ein Grafschafter, der sich wegen des Besitzes von 278 Dateien mit kinderpornografischem Material aus dem Internet zu verantworten hatte, am Donnerstag schuldig gesprochen.

gh Nordhorn. Der Mann ist zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie einer Geldauflage von 1800 Euro verurteilt worden. Die Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt – mit einer Bewährungszeit von drei Jahren. Die Geldauflage kommt dem örtliche Frauen- und Kinderhaus zugute.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Amtsrichterin Wißmann sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Netz aktiv nach Kinderpornos gesucht habe und keineswegs nur aus Versehen auf den entsprechenden Seiten gelandet sei. Es sei ein Besitzwille von Kinderpornos zumindest für einen bestimmten Zeitraum klar erkennbar.

Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages stand die weitere Beweisaufnahme mit den Ermittlungsergebnissen von zwei Kripo-Beamten aus Lingen. In seiner Zeugenaussage räumte der erste Beamte zugunsten des Angeklagten zwar ein, dass seine beiden Rechner in dem strafrechtlich relevanten Material keine Ordnerstruktur aufweise und dass die Erwachsenenpornos gegenüber den Kinderpornos quantitativ im Verhältnis von 80 zu 20 Prozent deutlich umfangreicher seien. Aber entgegen der Aussage des Angeklagten am ersten Verhandlungstag lasse sich nachweisen, dass er sehr wohl mit Suchwörtern wie „Lolita“ gezielt nach Kinderpornos gesucht habe. Das wurde durch die gutachterliche Aussage des zweiten Beamten unterstützt, eines Spezialisten, der den Computer-Kenntnissen des Gerichts alles abverlangte.

Die Spuren, die er in den Speichern der beiden Rechner des Angeklagten gefunden hatte, ließen eine klare Suchrichtung erkennen. „Normales“ Surfen auf pornografischen Seiten führe nicht zu Kinderpornografie, so der Zeuge. Solche Bilder könnten nicht per Zufall „aufgepoppt“ sein. Die eingegebenen Suchwörter seien typisch für die Zugangswege zu Kinderpornos.

Damit war für Staatsanwalt Horst der Fall klar. Der Angeklagte sei schuldig im Sinne der Anklageschrift: Besitz von kinderpornografischem Material. Sein Strafantrag bereitete das gleichlautende Urteil des Gerichts vor.

Verteidiger plädiert auf Freispruch

Der Verteidiger, RA Michael Bernd Schulz, plädierte hingegen auf Freispruch. Zwar ließ er einleitend keinen Zweifel daran, dass die Bilder, die auf den Rechnern seines Mandanten gefunden worden seien, „absolut widerlich“ seien. Er zweifelte aber den vom Staatsanwalt unterstellten „Besitzwillen“ an. Nach dem jüngsten BGH-Urteil sei ein solcher Wille nicht schon wie früher durch das bloße Anschauen gegeben, sondern erst durch das Abspeichern des Materials. Bei „Wegklicken“ könne hingegen kein Besitzwille unterstellt werden. Genau das aber habe der Angeklagte getan – nicht mehr.

Richterin: „Es darf hier kein Pardon geben“

In ihrer Urteilsbegründung unterstrich die Vorsitzende aber, dass die minutiöse Beweisaufnahme mit den Ermittlungen der Kripo-Beamten aus Lingen und Osnabrück die Einlassung des Angeklagten, alles sei nur aus Versehen passiert, klar widerlegt habe. Auch sei erschreckend, am Material zu verfolgen, wie er im Laufe der Zeit auf Bilder mit immer jüngeren Kindern zugegriffen habe, nicht Posing-Bilder, sondern mit der Darstellung heftigsten Missbrauchs. Die Richterin zum Angeklagten: „Die Qual der Kinder, die für solche Bilder erniedrigt werden, ist unendlich. Und Leute, die im Netz solche Bilder suchen, sind für diese Qual verantwortlich. Deshalb darf es hier kein Pardon geben.“

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