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Abiturientinnen geben Deutschkurs für Flüchtlinge

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Kleidungsstücke benennen, steht im Deutschkursus der Nordhorner Sultan Ahmet Moschee auf dem Stundenplan. Die 23-jährige Dalia Wehbe (rechts) erklärt den Flüchtlingen auf Arabisch, was es auf der Leinwand zu sehen gibt und wie die Kleidungsstücke auf Deutsch heißen. Foto: Kersten

In der Sultan Ahmet Moschee in Nordhorn geben Dalia Wehbe und Refika Erdogan Deutschunterricht für Flüchtlinge. Die Schulbank gegen das Lehrerpult einzutauschen beschreiben die beiden als „tolles Gefühl“.

Nordhorn. Für viele Flüchtlinge in Nordhorn ist die Sultan Ahmet Moschee am Klukkerthafen ein wichtiger Anlaufpunkt, wo sie ihrer Religion nachgehen und sich mit den arabisch-sprachigen Gemeindemitgliedern unterhalten können. Dort haben sie die Vorsitzende des Moscheevereins, Hatice Ates, gefragt, ob der Verein einen Deutschkursus anbieten kann. „Viele Flüchtlinge warten auf einen Platz in einem Integrationskursus der Volkshochschule. In den VHS-Kursen gibt keine freien Plätze mehr“, sagt Ates.

Im November 2015 startete der erste Deutschkursus in der Moschee. Im Nebenzimmer, das sich an den Gebetsraum anschließt und wo die Frauen beten, wurden Tische, Leinwand und Beamer aufgestellt. Rund 30 Flüchtlinge drücken seither die improvisierten Schulbänke. Anfangs vermittelte der syrische Grundschullehrer Ghassan Al Salhou ihnen Grundkentnisse der deutschen Sprache: Sie lernten, sich vorzustellen, etwas „Smalltalk“ zu halten und schmerzende Körperteile zu benennen, wenn sie beim Arzt sind. Mittlerweile arbeitet Al Salhou beim Eylarduswerk in Gildehaus. Am Lehrerpult sitzen nun zwei Nordhorner Abiturientinnen: die 23-jährige Dalia Wehbe und die 19-jährige Refika Erdogan. Beide sind in der 13. Klasse und stehen vor ihrem Schulabschluss. Wehbe ist an den Berufsbildenden Schulen (BBS) Gesundheit und Soziales, Erdogan am Wirtschaftsgymnasium der BBS. Kontakt zu Flüchtlingen hatten die beiden bisher nur in der Schulcafeteria, wo auch die Neuankömmlinge gegessen haben. Erst als Hatice Ates die 23-jährige Dalia Wehbe gefragt hat, ob sie in der Moschee Flüchtlinge unterrichten wolle, sollte sich das ändern. Mit ihrer Freundin Refika erklärte sie sich bereit, den Deutschkursus zu übernehmen. „Es ist eine Chance mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen und ihnen etwas beizubringen“, sagt Refika Erdogan. In rund zweistündigen Unterrichtseinheiten versuchen die beiden Abiturientinnen, den rund 30 Teilnehmern grundlegende Grammatikregeln und Vokabeln beizubringen. Dabei kommen der 23-jährigen Wehbe ihre Arabischkenntnisse zugute. Sie hat libanesische Wurzeln und kann den Kursteilnehmern deutsche Grammatik anhand von Beispielen erläutern. Denn im Arabischen gibt es beispielsweise nur einen Artikel oder Geschlechtswort – vergleichbar mit dem Englischen. Im Internet haben sich die Beiden schlaugemacht, „wie man Leuten, die neu hier sind, die deutsche Sprache vermittelt“, sagt Wehbe. Arbeitsblätter mit Aufgaben zu Themenfeldern wie „Kleidung“ oder den „W-Fragen“ laden sich die Abiturientinnen aus dem Netz herunter. Geld bekommen die beiden nicht, sie unterrichten ehrenamtlich. „Es ist ein tolles Gefühl, zu sehen, dass die Flüchtlinge etwas gelernt haben und dass wir ihnen etwas beigebracht haben“, sagt Wehbe. Die beiden Schülerinnen haben die Teilnehmer sogar schon eine Klausur schreiben lassen, mit Benotung. Mit dem Ergebnis waren Wehbe und Erdogan zufrieden. Von 20 Teilnehmern erreichten drei die Bestnote „sehr gut“.

Zwei bis drei Mal in der Woche bietet der Moscheeverein Deutschkurse an. „Am liebsten hätten die Flüchtlinge jeden Tag Sprachunterricht“, berichtet Hatice Ates. Dafür hat der Moscheeverein aber nicht genügend Lehrer. Den Integrationskursus an der VHS ersetzt der Deutschunterricht in der Moschee nicht. „Die Flüchtlinge haben sich trotzdem bei der Volkshochschule für einen Kursus angemeldet“, erklärt Ates. Die Wartezeit verbringen sie mit deutsche Vokabeln und Grammatik pauken.

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