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12000 Kostüme aus der guten alten Zeit

tüme aus der guten alten Zeit
Dieses edle Rittergewand hat Ingrid Minnebusch selbst entworfen und genäht. Foto: Susanna Austrup.
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  • Dieses edle Rittergewand hat Ingrid Minnebusch selbst entworfen und genäht. Foto: Susanna Austrup.
  • Dieser Haarschmuck aus den 20er Jahren ist mit seinen echten Federn ein schönes Accessoire für die Motto-Party. Foto: Austrup

Die Liebe zu Antiquitäten bekam Ingrid Minnebusch quasi in die Wiege gelegt: In Steinfurt betreibt sie mit Maria Elisabeth Bach ein Antiquitätengeschäft, in Borghorst ihren gut sortierten Kostümverleih.

Steinfurt/Borghorst. Die Dose kenne ich, eine ähnliche stand früher auf dem Stubentisch meiner Oma. Sie war immer gefüllt mit leckeren Keksen. Und diese Schildkröt-Puppe kommt mir auch bekannt vor. Sieht aus wie die Liesel, trägt aber ein ganz anderes Kleid. Ich fasse es nicht. Ganz hinten in der Ecke steht ein altes Bett samt Nachtschränkchen. Weiß lackiert, so wie bei meiner Tante...

Der Laden von Ingrid Minnebusch ist ein wahres Schatzkästchen. Vor anderthalb Jahren hat sie das Geschäftslokal in der Steinfurter Innenstadt angemietet. „Ich brauchte unbedingt einen Ausstellungsraum mit großen Schaufenstern, damit ich zeigen kann, was ich habe“, erklärt sie, zwinkert mit den Augen und lädt mich ein: „Kommen Sie auch mit zu meinem Kostümverleih nach Borghorst, da werden Sie staunen.“

Doch zuerst ist die Antiksammlung in Steinfurt dran. Kaufladen, Puppenstube, Teddybär, blütenweiße, aufwendig bestickte Nachtwäsche, vornehme Hüte, historische Kostüme, Kristallglas, allerlei Nippes und Backförmchen wetteifern um meine Gunst. Der Laden ist gut sortiert, hübsch dekoriert und strahlt nostalgischen Charme aus. – Okay, momentan ist hier Umbruch angesagt. Der weihnachtliche Glanz muss dem nahenden Karneval weichen. – „Haben Sie schon mein „Star Wars“-Fenster gesehen?“, fragt Minnebusch schmunzelnd. Nein, ehrlich gesagt nicht. Also raus aus dem Laden und ab vors Schaufenster. Wow! Da steht Darth Vader in seiner ganzen Pracht, umrahmt von Obi-Wan Kenobi und Leia Organa. Diese Kostüme sind sicher der Traum für jeden Star-Wars-Fan.

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Überall gibt es Spannendes zum Stöbern. Die Star-Wars-Kostüme für eingefleischte Science-Fiction-Fans ziehen im Schaufenster die Blicke auf sich. Foto: Austrup

Ich ziehe die Outfits im Fenster daneben vor, ganz schick, im Stil der 20er Jahre. So ein Zufall: Prompt kommt eine junge Frau ins Geschäft und fragt nach Haarschmuck aus den Zwanzigern. Minnebusch nimmt sie ins Schlepptau und befördert ihre Kundin im Nu nach draußen. „Haben Sie schon die Kostüme im Schaufenster gesehen?“, fragt sie. Ruckzuck fällt die Wahl auf ein nobel wirkendes Stirnband mit Federn. „Die sind echt“, betont Minnebusch. Ihre Kundin ist begeistert und schlägt zu. Elf Euro kostet der Spaß,– ein Schnäppchen. Luiza Jeske, so heißt die frischgebackene Besitzerin, freut sich. Für die bevorstehende Motto-Party ist sie jetzt bestens ausgestattet.

Auch zwei kleine Kaffeekannen aus Porzellan vom Stöbertisch finden neue Besitzer. Familie Appelbaum ist bei der Oma auf Besuch in Steinfurt und nutzt die Gelegenheit zu einem Bummel. Die Kännchen aus dem Antikladen werden für die kleine Portion frischgebrühter Kaffee als Alternative zum Tee angeschafft. Doch hauptsächlich wird in dem Antikladen gestöbert und geklönt, denn jedes Stück weckt seine speziellen Erinnerungen, sodass auch fremde Menschen plötzlich in ein Gespräch verwickelt sind.

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Glas und Kristall glänzen um die Wette. Foto: Austrup

Ingrid Minnebusch teilt sich den Steinfurter Laden mit Maria Elisabeth Bach. Die hat sich vor allem auf alte Tischwäsche und Porzellan spezialisiert. Die gesammelten Schätze beider Frauen harmonieren prächtig. Minnebusch wirkt rundum glücklich in ihrem Geschäft. Sie wolle nichts anderes machen, der Laden sei ihr Leben, bestätigt die 60-Jährige. Dabei wäre damit um ein Haar Schluss gewesen, denn nach einem schweren Unfall vor dreieinhalb Jahren hatte Minnebusch große Mühe, wieder auf die Beine zu kommen. Wie ist die Borghorsterin zu all den tollen alten Sachen gekommen? Die Geschäftsfrau lacht. „Ich habe mit drei Jahren Nähen gelernt“, beginnt sie. Ingrid Minnebusch ist bei Pflegeeltern aufgewachsen. Ihr Pflegevater – „für mich war das mein Vater“ – war Schneidermeister „und hat mich ganz früh an die Nähmaschine gelassen“. So entdeckte Minnebusch ihre Leidenschaft für das Nähen und lernte es von der Pike auf.

Dazu kam ein Faible für den Karneval. „Meine Eltern waren vom Karneval regelrecht besessen. Jedes Jahr hat mein Vater mir ein anderes Kostüm genäht.“ Bis Klassenkameraden auf die Idee kamen, sich Kostüme aus dem Minnebusch-Fundus auszuleihen. Schließlich kamen Anfragen von Theatergruppen. Klein-Ingrid bewies schon damals Geschäftssinn. „Ich habe fünf Mark Leihgebühr verlangt, damit mein Vater wieder neue Stoffe kaufen konnte.“ So hat sich auf die Dauer der Kostümverleih entwickelt. „Mein Traum war es immer, Bühnenbildnerin oder Kostümschneiderin zu werden“, erzählt Minnebusch. Ihre Mutter habe das nicht gewollt, die Tochter sollte in der Fabrik Geld verdienen. Doch ihr Pflegevater habe sich dafür eingesetzt, dass sie weiter nähen konnte.

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Ein echter Hingucker, die drei historischen Kostüme. Foto: Austrup

Die Liebe zu Antiquitäten bekam Ingrid Minnebusch quasi in die Wiege gelegt. „Ich bin mit all den Dingen aufgewachsen“, erklärt sie. Nach dem Tod ihrer Mutter entdeckte sie eine prall gefüllte Aussteuertruhe auf dem Dachboden. „Alles unbenutzt, in gelbes Schleifenband gewickelt, das zusätzlich mit einer Häkelborte versehen war.“ Außerdem tauchte noch eine uralte Truhe – „von 1700“ – aus Großmutters Besitz auf dem Speicher auf. Darin seien viele alte, kostbare Kleider gewesen, erzählt die Geschäftsfrau.

Am Nachmittag treffen wir uns in Ingrid Minnebuschs Borghorster Kostümverleih. „So, dann machen Sie sich mal auf was gefasst, hier befinden sich 12.000 Kostüme“, begrüßt mich Minnebusch. Himmel, eine Horde Clowns hängt schlaff an der Kleiderstange, daneben körperlose Indianer, Chinesen, Zigeuner, Piraten, Prinzen und Zauberer, auf dem Regal darüber schweben Cowboy-Polizei- und andere Hüte. In Vitrinen und Schränken türmt sich karnevalistisches Zubehör vom Monokel bis zum Prinzessinnendiadem. Ich schiele verstohlen nach rechts zu den historischen Kostümen und staune über die barocken Prachtgewänder.

Natürlich ist Ingrid Minnebusch kein passiver Karnevalsfan, sondern mischt sich auch gerne unter das Narrenvolk. Am Rosenmontag setzt sie sich, wenn es nur geht, in den Zug nach Köln. Darüber hinaus war sie bereits in Rio de Janeiro, Venedig, Dänemark und Teneriffa, um Karneval zu feiern.

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Für alle, die alte Dinge lieben, ist der Antikladen ein El Dorado. Foto: Austrup

Natürlich hat die Borghorsterin von all ihren Reisen Originalkostüme mitgebracht. Und das ist noch nicht alles. Ingrid Minnebusch sammelt Krippen, restauriert Puppenstuben, organisiert Mittelaltermärkte, peppt verwaiste Geschäftslokale nach Bedarf auf und graviert Pokale. Dafür hat sie eine extra Werkstatt eingerichtet. „Wer heute überleben will muss vielseitig sein“, sagt sie. Das ist Ingrid Minnebusch wahrhaftig.

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